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„Sie hätte nicht erfrieren müssen“

Das Pflege- und Altenheim Charleston auf Fehmarn / FOTO: DENNIS ANGENENDT
In diesem Beitrag: Fehlende Absprachen Keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen Zeitliche Unklarheiten Keinen Vorwurf an die Pfleger/innen
Fehmarn. Vergangenes Wochenende kam es zu einem tragischen Zwischenfall im Charleston Wohn- und Pflegezentrum auf Burg, in dessen Folge eine Heimbewohnerin erfror. Die Familie der Verstorbenen erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Leitung des Heims.

Fehlende Absprachen

„Uns lassen bestimmte Gedanken nicht los“, sagt die Tochter der Verstorbenen. Ihre demente Mutter starb vergangenes Wochenende, nachdem sie das Heim nachts unbeobachtet verließ und draußen erfror. Seit September vergangenen Jahres lebte die ältere Dame im Charleston Pflegeheim. Davor wurde sie sieben Jahre lang von ihrem Ehemann gepflegt, mit dem sie seit 62 Jahre zusammen war. Nachdem sie ins Heim kam, telefonierte die Tochter täglich mit ihrer dementen Mutter – bis sie diese tagelang nicht mehr erreichen konnte. Erst durch Zufall erfuhr sie, dass ihre Mutter aufgrund der Corona-Situation in ein anderes Zimmer verlegt worden sei. Dabei sei ihr nicht mitgeteilt worden, dass sich das neue Zimmer im Erdgeschoss befindet. „Sonst hätte ich direkt nach Schutzmaßnahmen gefragt“, betont die Tochter.

Einige der Wohnungen liegen im Erdgeschoss. – Auch die von Ilse Gamm. / Foto: Privat

Keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen

Die Tochter kann nicht nachvollziehen, wieso es keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen im Pflegeheim gab, um ein unbemerktes Fortlaufen ihrer dementen Mutter zu verhindern. Natürlich könne sie verstehen, dass man die Türen nicht einfach verschließen kann, schon aus Brandschutzgründen ist dies unmöglich. Dennoch hätte man spezielle Vorkehrungen treffen können. So gebe es in anderen Heimen spezielle Sensorenmatten, die Alarm schlagen, sobald man sie betritt. „Es gab keine Sicherungsmechanismen“, betont die Tochter. „Sie hätte nicht erfrieren müssen.“ Die Familie hat deshalb einen Anwalt eingeschaltet. Aktuell werde ein Fremdverschulden geprüft.

Zeitliche Unklarheiten

Besonders die Frage, wann die ältere Dame das Haus verließ, ist unklar. Entgegen anderer Berichterstattungen fand ein Rundgang der Zimmer in der besagten Nacht erst um 1.30 Uhr statt, und nicht wie geschrieben um 23.46 Uhr. Dies erfuhr die Tochter nach einem Telefonat mit der Kripo Oldenburg, wie sie erzählt. Zuletzt habe man demnach ihre Mutter um 23 Uhr im Zimmer gesehen, ehe man ihr Verschwinden um 1.30 Uhr bemerkte – was in dem zweieinhalbstündige Zeitraum passierte, könne nur vermutet werden. Auf Nachfrage bestätigte der Pressesprecher des Pflegeheims diese Uhrzeiten nicht. Zu den weiteren Vorwürfen könne er aufgrund von laufenden kriminalpolizeilichen Ermittlungen keine weiteren Details nennen.

Im Pflege- und Altenheim Charleston auf Fehmarn ist eine Dame verstorben. Die Tochter erhebt nun schwere Vorwürfe. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Keinen Vorwurf an die Pfleger/innen

„Die Mitarbeiter geben dort ihr Bestes“, betont die Tochter der Verstorbenen, die die Schuld nicht bei den Pfleger/innen sucht. Sie seien immer bemüht und sie habe „absolute Hochachtung“ vor ihnen. Dennoch merke man, wie überfordert, unterbesetzt und gestresst viele von ihnen seien.

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