Radio Sundfunk Abo-Bereich
Einloggen
Corona-Pandemie

Sörgel: Olympia mit Zuschauern wäre «unverantwortlich»

Fritz Sörgel kritisiert die Corona-Politik des IOC. Daniel Karmann/dpa
Tokio (dpa). Am Freitag beginnen die Olympischen Spiele in Tokio. Die Angst vor dem Coronavirus bleibt. Ein deutscher Pharmakologe hält den Zuschauer-Ausschluss für richtig.

Pharmakologe Fritz Sörgel hätte die Durchführung der am Freitag in Tokio beginnenden Olympischen Spiele während der Corona-Pandemie mit Zuschauern für «unverantwortlich» gehalten.

«IOC-Boss Thomas Bach drängte zuletzt ja sogar doch noch auf die Zulassung von Zuschauern, weil Tokio seiner Meinung nach keine Probleme mit dem Virus hat. Da bleibt einem wirklich die Spucke weg», sagte Sörgel in einem Interview der «Frankfurter Rundschau». «Er ist rücksichtslos. Um ehrlich zu sein: mit Zuschauern bei einer solchen Veranstaltung und an so vielen Orten, das ist doch gar nicht denkbar.»

Der Nürnberger Sörgel stört sich auch an Aussagen, dass in Tokio für die Anwesenden aus aller Welt keinerlei Gefahr bestehe. «Wer sagt, die Spiele seien sehr sicher und es könne nichts passieren, lügt die Menschen an», sagte Sörgel. Nach Japan reisen in diesen Tagen Athleten aus über 200 Ländern, «und viele Länder haben bei weitem nicht den medizinischen Standard wie wir in Europa», sagte er. Neue Virus-Mutationen seien «da nicht auszuschließen. Die Austragung dieser Spiele ist an Komplexität nicht zu übertreffen.»

Für Sörgel gibt Bach an der IOC-Spitze in Japan keine gute Figur ab. «Er benimmt sich wirklich wie ein Staatsmann, aber sie wollten ihn dort gar nicht sehen», sagte Sörgel zu einem Besuch Bachs in Hiroshima: «Seine Chancen, den ersehnten Nobelpreis – das wurde ja nach den letzten Olympischen Spielen ernsthaft diskutiert – zu bekommen, sinken, da hilft auch der Hiroshima-Besuch nicht.» Selbst wenn die Spiele komplikationslos verlaufen würden, «dürfte es nichts werden, weil das Nobelkomitee den brutalen Druck auf Japan und den irrsinnigen Ressourcenverbrauch berücksichtigen muss», sagte Sörgel.

Weitere Informationen
Dir gefällt dieser Artikel? – Es steckt viel Arbeit drin!

Wir bieten Ihnen und Euch exklusiven Journalismus. Bei uns stimmt die Qualität der Berichterstattung. Fake-News haben bei uns keine Chance. Wir sind rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst. Im Journalismus gelten – wie in so vielen anderen Berufen – Sonn- und Feiertage nicht.

Warum wir das tun? Aus Überzeugung.

Weil wir diesen Anspruch an uns selber haben. Weil wir der Auffassung sind, dass gute journalistische Arbeit das eben verlangt. Weil wir es wichtig finden, Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu jeder Zeit – und das meinen wir wörtlich – möglichst schnell und umfassend zu informieren. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr über, auch an Sonn- und Feiertagen. Und weil wir mit Herzblut bei der Sache sind.

Unterstütze uns bei unserer täglichen Arbeit
Jetzt 
© 2020-2021 sundfunk.de