Radio Sundfunk Abo-Bereich
Einloggen

Finanzgeschäftsführerin von Massenbach wird neue BER-Chefin

Der BER bekommt nach dem Abgang von Engelbert Lütke Daldrup eine Chefin: Aletta von Massenbach. Michael Kappeler/dpa
Schönefeld (dpa). Der BER bekommt erstmals eine Chefin: Sie muss den Hauptstadtflughafen nicht nur aus der Pandemie, sondern auch aus einer Finanz-Krise führen.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bekommt eine Chefin: Die bisherige Finanzgeschäftsführerin Aletta von Massenbach soll ab dem 1. Oktober die Gesamtverantwortung übernehmen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Das habe der Aufsichtsrat zuvor beschlossen. Die 52-Jährige folgt damit auf den scheidenden Geschäftsführer, Engelbert Lütke Daldrup, der im September in den Ruhestand gehen will. «Den BER aus der finanziellen Krise herauszuführen und zu einem erfolgreichen Flughafen für Berlin und Brandenburg zu machen, ist eine besondere Herausforderung, aber auch eine große Chance», teilte von Massenbach mit.

Die studierte Juristin war vor rund einem Jahr als Finanzchefin zur Betreibergesellschaft des Hauptstadtflughafens BER gekommen. Davor war sie lange Jahre für den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im internationalen Geschäft unterwegs. Lütke Daldrup geht auf eigenen Wunsch im September nach viereinhalb Jahren am BER. Unter seiner Leitung war im Oktober der neue Standort nach jahrelanger Verzögerung eröffnet worden – mitten in der Pandemie. Einen Volllastbetrieb hat der neue Flughafen noch nicht erlebt.

Von Massenbach übernimmt damit ein Unternehmen in der Krise: Noch im Jahr 2019 waren fast 36 Millionen Menschen über die damaligen Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gereist, so viele wie nie. Im vergangenen Jahr war es nur noch rund ein Viertel davon. Weil deshalb auch der Wert der neuen Flughafengebäude nach unten korrigiert werden musste, machte das Staatsunternehmen 2020 gut eine Milliarde Euro Verlust. Auch für die kommenden Jahre rechnet die FBB mit hohen Fehlbeträgen.

Die Gesellschaft bleibt damit auf die finanzielle Hilfe ihrer Eigentümer angewiesen – der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg. Von Massenbachs Vorgänger hat unter anderem eine Teilentschuldung durch die öffentliche Hand in Höhe von 1,2 Milliarden Euro gefordert. Für dieses und das kommende Jahr geht die FBB laut Geschäftsbericht von einem Finanzierungsbedarf in Höhe von knapp 860 Millionen Euro aus. Die Zahlen kennt von Massenbach als Finanzchefin gut.

Sowohl die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus als auch im Bundestag kritisierten am Donnerstag deshalb die Entscheidung des Aufsichtsrats. «Die Staffelstab-Weitergabe an Frau von Massenbach ist ein Fehler», urteilte etwa der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sven-Christian Kindler, am Donnerstag. «Sie ist Teil der Geschäftsführung der FBB und damit mitverantwortlich für die finanzielle Misere, in der sich der BER befindet.»

Die FDP hingegen befürwortete den Wechsel. «Mit Aletta von Massenbach übernimmt eine ausgewiesene Luft- und Flughafenexpertin mit internationaler Expertise und Vernetzung die Chefposition beim BER», sagte die Vize-Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Daniela Kluckert, dem «Handelsblatt». «Wir hatten immer kritisiert, dass die hohen Positionen beim BER vor allem politisch und nicht fachlich besetzt werden.»

Auch Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider betonte, die neue Chefin sei die Richtige, um den BER aus der Krise zu führen. «Frau von Massenbach mit ihrem breiten Erfahrungshorizont in der Flughafenbranche garantiert Stabilität und Zukunftsorientierung zugleich», teilte er mit.

Weitere Informationen
Dir gefällt dieser Artikel? – Es steckt viel Arbeit drin!

Wir bieten Ihnen und Euch exklusiven Journalismus. Bei uns stimmt die Qualität der Berichterstattung. Fake-News haben bei uns keine Chance. Wir sind rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst. Im Journalismus gelten – wie in so vielen anderen Berufen – Sonn- und Feiertage nicht.

Warum wir das tun? Aus Überzeugung.

Weil wir diesen Anspruch an uns selber haben. Weil wir der Auffassung sind, dass gute journalistische Arbeit das eben verlangt. Weil wir es wichtig finden, Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu jeder Zeit – und das meinen wir wörtlich – möglichst schnell und umfassend zu informieren. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr über, auch an Sonn- und Feiertagen. Und weil wir mit Herzblut bei der Sache sind.

Unterstütze uns bei unserer täglichen Arbeit
Jetzt 
© 2020-2021 sundfunk.de