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Tarifverhandlungen für Hafenarbeiter bleiben kontrovers

Ein Container-Carrier fährt auf dem Gelände des Container Terminals Burchardkai (CTA). Julian Weber/dpa/Bildarchiv
Hamburg (dpa). Über neun Verhandlungsrunden ringen Seehafenbetriebe und Verdi nun schon um einen neuen Tarifvertrag - und die Runde zehn ist absehbar. Nach heftigen Warnstreiks wie seit Jahrzehnten nicht mehr steigt bis Ende August der Einigungsdruck.

Nach neun Verhandlungsrunden und einer Serie von Warnstreiks tritt der Tarifkonflikt um die Löhne für Hafenarbeiter in den Nordseehäfen in knapp zwei Wochen in eine entscheidende Phase. Dann entscheidet sich, ob die Gewerkschaft Verdi und der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in einer zehnten Gesprächsrunde ein Kompromisspaket schnüren können – oder ob die Gewerkschaft womöglich erneut den Container- und Warenumschlag mit einem Ausstand der Hafenarbeiter lahmlegt.

Am Mittwochabend trennten sich beide Seiten nach rund achtstündigen, online geführten Gesprächen erwartungsgemäß abermals ohne Einigung. Der Termin für die nächste Runde steht mit dem 22. August bereits länger fest. Er war Bestandteil eines gerichtlichen Vergleiches, der zugleich neue Warnstreiks bis dahin ausschließt.

Beide Seiten bewerteten den Verhandlungsstand kontrovers. «Wir haben uns in der heutigen Verhandlung angenähert, liegen jedoch noch an einigen Punkten auseinander», berichtete der ZDS am Mittwochabend. «Wir streben an, ausgehend von den heute erfolgten Schritten, am 22. August ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen.»

Verdi sieht den Verhandlungsstand im Tarifkonflikt für Hafenarbeiter deutlich kritischer als die Arbeitgeber. Nach Beratungen der Tarifkommission sagte die Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth der dpa am Mittwochabend, man sehe die Bewertung der jüngsten Runde anders als der ZDS. «Wir haben mehr erwartet und sind enttäuscht über die geringe Annäherung. Wir sind mit dem Ziel der Reallohnsicherung über die gesamte Laufzeit des Tarifvertrages angetreten und erwarten diesbezüglich eine Bewegung in der nächsten Verhandlungsrunde.»

Beide Seiten hatten ihre Verhandlungen knapp zwei Wochen nach einem 48-stündigen Warnstreik der Hafenarbeiter an Nordseehäfen Ende Juli wieder aufgenommen. Einen derart heftigen Tarifkonflikt gab es an den Kaikanten in Hamburg, Bremerhaven und den anderen Hafenstandorten an der Nordsee seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr. Unmittelbaren Einigungsdruck hatten beide Seiten angesichts des bereits vereinbarten nächsten Termins aber am Mittwoch noch nicht.

Worin die aus Sicht der Arbeitgeber möglichen Annäherungsschritte bestehen könnten, war nicht zu erfahren. Im Kern geht es in dem Konflikt darum, die Verdi-Forderung nach einem Ausgleich der aktuell sehr hohen Inflation mit dem Wunsch der Arbeitgeber nach einer 24-monatigen Laufzeit zusammenzubringen. Im Gespräch waren zuletzt mögliche Mechanismen und Kriterien, die im Falle einer 2023 anhaltend hohen Teuerung eine Nachbesserung oder Nachverhandlung für das zweite Jahr der Laufzeit ermöglichen würden.

Die Gewerkschaft war mit einem Forderungspaket in die Verhandlungen gegangen, das nach Verdi-Angaben in der Spitze Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten bedeuten würde. Auf dem Tisch liegt seit Anfang Juli ein als «final» bezeichnetes Angebot der Arbeitgeber – bei allerdings 24 Monaten Laufzeit – mit 12,5 Prozent für die Beschäftigten in Containerbetrieben und 9,6 Prozent für Mitarbeiter in konventionellen Betrieben. Für «Beschäftigungssicherungsbetriebe» mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und einem Sanierungstarifvertrag taxiert der ZDS das Angebot auf 5,5 Prozent.

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