Radio Sundfunk Abo-Bereich
Einloggen

Ostertourismus in Ostholstein – Hoffnungsträger oder Risikofaktor?

Leere Strandkörbe an der Ostsee / Foto: Pixabay
In diesem Beitrag: Es ist wichtig, vorbereitet zu sein Die Schuldigen sind nicht in der Gastronomie Wir müssen an alle denken Vor allem Mitarbeiter*innen leiden Anwohner*innen im Zwiespalt
Hoteliers und Gastronom*innen hoffen auf baldige Öffnungen zu Ostern. Der Druck für die Unternehmer*innen ist groß. Die Meinungen zum Tourismus von Anwohner*innen der Feriengebiete gehen auseinander. Existenzen stehen auf dem Spiel. In zahlreichen Gesprächen gelang es der Ostholstein Presse, sich ein Bild von der Lage zu machen.

Es ist wichtig, vorbereitet zu sein

Michael Nehm leitet ein ganz besonderes Hotel. Das Aura in Timmendorfer Strand ist ein Haus, das auch Blinde und Sehbehinderte beherbergt.
„Wir hoffen, dass wir Ostern öffnen können. Mit Sorge sehen wir natürlich auch die steigenden Infektionszahlen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Am Montag wurde bereits mit der Grundreinigung und Desinfektion im ganzen Haus begonnen. Für dieses Vorhaben hat Nehm die gesamte Woche eingeplant. Die 36 Zimmer des Hotels möchte er gerade aus Rücksicht auf seine sehbehinderten Gäste in bestem Zustand wissen.

Die Schuldigen sind nicht in der Gastronomie

„Es ist ja einfach so, dass man mittlerweile erkennt, dass wir in der Gastronomie nicht die Schuldigen sind.“, erklärt Christian Borchert. „Seit zweitem November sind wir im Lockdown, die Gastronomie hat komplett geschlossen, und die Zahlen steigen und steigen trotzdem.“
Das Hygienekonzept in seinem Hotel und Restaurant Holländersruh im Zentrum von Neustadt in Holstein hat er, wie so viele andere auch, sehr ernst genommen. Desinfektionsmittelspender an jedem Tisch, Dezimierung der Sitzplätze für mehr Abstand, Trennwände. Nur ein paar der Maßnahmen, die er ergriffen hat. Doch die Schließungen kamen trotzdem.

Wir müssen an alle denken

Sofern es Ostertourismus geben sollte, empfindet Borchert es als äußerst wichtig, nicht nur die Außengastronomie öffnen zu lassen, sondern auch die Innengastronomie.
„Wir müssen ja wirklich an alle Gastronomen denken. Vor allem an die, die wirklich nur Innengastronomie haben.“ Wetterbedingt und aus teils technischen Gründen sei es aber auch für Leute mit Außenplätzen sehr schwierig, sich nur auf diese zu verlassen.

Christian Borchert im leeren Frühstücks- und Veranstaltungsraum seines Hotels Holländersruh / FOTO: maj

Vor allem Mitarbeiter*innen leiden

„Kredite laufen weiter, die Miete läuft weiter. Die Ersparnisse sind bei vielen aufgebraucht.“ Michael Nehm kennt die Problematik seiner Angestellten. Viele Mitarbeiter gastronomischer Betriebe sind ernsthaften, existenziellen Schwierigkeiten ausgesetzt, wenn sie nicht bald wieder arbeiten dürfen.
Auch Christian Borchert musste über die Hälfte seiner Belegschaft in Kurzarbeit schicken.

Anwohner*innen im Zwiespalt

Mittlerweile herrscht allgemein etwas mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen in der Gastgewerbe. Viele Anwohner*innen sehen die existenzielle Dringlichkeit hinter den Forderungen, wieder in Betrieb gehen zu dürfen. „Besonders für Gastronomen ist Ostern die entscheidende Zeit, um den Betrieb wieder hochzufahren.“, findet Till M. aus Travemünde. Er selbst sieht auch in seinem direkten Umfeld die Wichtigkeit und hofft auf die Vernunft der Touristen im Umgang mit Corona. Eine Passantin mit Zweitwohnung in Timmendorfer Strand jedoch findet andere, klare Worte: „Ich sehe auf jeden Fall ganz viele Gefahren. Gerade, wenn ich mich daran erinnere, wie es letztes Jahr im Sommer gewesen ist. Es war chaotisch. Ich hoffe der Lockdown verhindert das alles noch ein bisschen.“

© 2020-2021 sundfunk.de