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Luftwaffen-Kaserne nach «Landshut»-Pilot Schumann benannt

Ingo Gerhartz steht neben dem neuen Schild „Unteroffiziersschule der Luftwaffe - Jürgen-Schumann-Kaserne“. Christian Charisius/dpa
Appen (dpa). Seit 1975 hieß eine Kaserne der Luftwaffe bei Hamburg nach dem Wehrmachtspiloten Marseille. Jetzt hat die Unteroffiziersschule einen neuen Namenspatron: den 1977 von Terroristen ermordeten Piloten der «Landshut», Jürgen Schumann. Aber auch Marseille wird weiter geehrt.

Eine Kaserne der Luftwaffe in Appen (Kreis Pinneberg) bei Hamburg trägt seit Mittwoch den Namen des Piloten der 1977 entführten «Landshut»-Maschine, Jürgen Schumann. Die Umbenennung erfolgte im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Luftwaffe, an der auch die Witwe des ermordeten Piloten, Monika Schumann, teilnahm.

Jürgen Schumann war nach Angaben der Bundeswehr Hauptmann der Reserve und vor seiner Karriere bei der Lufthansa Starfighter-Pilot. Einen Teil seiner Ausbildung absolvierte er 1961 auf dem ehemaligen Fliegerhorst Uetersen und besuchte dabei Lehrgänge an der benachbarten Unteroffiziersschule in Appen. Während der Entführung des Passagierflugzeugs wurde er am 16. Oktober 1977 in Aden (Jemen) von palästinensischen Terroristen erschossen.

«Er starb inmitten der Menschen, deren Leben er schützte. Er starb für seine Passagiere», sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, in seiner Ansprache. Schumann verkörpere die wahre Bedeutung von Mut, Tapferkeit, Verantwortung und Selbstlosigkeit. Das mache die Namensgebung so bedeutsam für den Führungsnachwuchs an der Unteroffiziersschule. «Hauptmann Jürgen Schumann ist einer von uns», sagte Gerhartz.

Die Kaserne trug bislang den Namen des Wehrmachtspiloten Hans-Joachim Marseille (1919-1942), der wegen zahlreicher Abschüsse von feindlichen Flugzeugen über Nordafrika von der nationalsozialistischen Propaganda gefeiert wurde. Der Name Marseille werde auch künftig von der Luftwaffe nicht verschwiegen oder geleugnet, sagte Gerhartz. Er werde aktiv für eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung im Rahmen der historisch-politischen Ausbildung genutzt werden. Am Montag waren auf dem Kasernengelände ein Gedenkstein und eine Stele für Marseille aufgestellt worden. Im Herbst nächsten Jahres soll es in Appen eine öffentliche Ausstellung geben, auf der die Traditionspflege der Bundeswehr thematisiert wird.

«Unser bisheriger Namensgeber, Hans-Joachim Marseille, hat durch sein fliegerisches Können ein herausragendes Beispiel militärischer Exzellenz gegeben, jedoch einem menschenverachtenden und verbrecherischen Regime gedient», sagte der Kommandeur der Unteroffiziersschule, Oberst Thomas Berger. «Professionelles Können im Gefecht allein und ohne Wertebindung kann heute nicht länger sinn- und traditionsstiftend sein.» Der Fliegerhorst Uetersen war 1975 nach dem Wehrmachtspiloten benannt worden. Der damalige Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) hatte dem zugestimmt.

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag erklärt, dass die Benennung der «Marseille»-Kaserne am Standort Appen nicht mit den Richtlinien zur Traditionspflege in Übereinstimmung stehe. Schon 1997 hatte der Bundestag erklärt, dass Marseille als Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs in einen «Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen», verstrickt gewesen sei.

Schumanns Witwe selbst äußerte sich nicht öffentlich zur Umbenennung. Es sei ein sehr emotionaler Tag für sie gewesen, in dem für sie Erinnerungen an den Deutschen Herbst (1977) und die Rote Armee Fraktion hochgespült worden, sagte Gerhartz. Monika Schumann sei aber sehr dankbar für die Ehrung ihres ermordeten Ehemannes. Während der Zeremonie überflog eine Formation aus vier Eurofightern des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 «Richthofen» das Kasernengelände. Dabei scherte einer der Jets aus, um den «missing man» zu symbolisieren.

Die «Landshut» war am 13. Oktober 1977 kurz nach dem Start in Palma de Mallorca entführt worden. Ein vierköpfiges Terrorkommando einer radikalen Palästinenser-Organisation forderte die Freilassung in Deutschland inhaftierter Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). Nach einem Irrflug über mehrere Stationen machte Schumann eine Notlandung neben der blockierten Landebahn von Aden. Dort durfte er das Flugzeug verlassen, um das Fahrwerk zu inspizieren. Er nutzte die Möglichkeit, um die örtlichen Behörden zum Einschreiten zu bewegen, ohne Erfolg.

Als er freiwillig in die Boeing 737 zurückkehrte, erschoss ihn einer der Entführer vor den Augen der Passagiere und Besatzungsmitglieder. Copilot Jürgen Vietor musste die Maschine weiter in die somalische Hauptstadt Mogadischu fliegen. Dort stürmte in der Nacht zum 18. Oktober 1977 ein Spezialkommando der GSG9 die Maschine und befreite alle Geiseln.

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