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Hauptausschuss der Stadt Fehmarn beriet über Erhöhung der Aufwandsentschädigung für den Seniorenbeirat

AWO Fehmarn sieht Konkurrenz im Seniorenbeirat

„Analoge Veranstaltungen werden vom Seniorenbeirat angeboten und in nicht unerheblichem Maße durchgeführt“, kritisierte Heinz Lange, Vorsitzender der AWO Fehmarn. „So ist eine Wettbewerbssituation entstanden.“ / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF
Fehmarn. "Sollte der Seniorenbeirat sich nicht eher auf seine satzungsgemäßen Aufgaben konzentrieren und nicht auf die Aktivitäten, die parallel dazu laufen?", fragte Heinz Lange, Vorsitzender der AWO Fehmarn, im Hauptausschuss.

Der Antrag des Seniorenbeirates Fehmarn auf Erhöhung seiner Aufwandsentschädigungen, der im Hauptausschuss beraten wurde, stieß beim Vorsitzenden der AWO Fehmarn, Heinz Lange, auf herbe Kritik. Er nutzte die Einwohnerfragestunde der Sitzung am gestrigen Dienstag (2. August 2022), diese anzubringen.

Der Antrag stieß bei Heinz Lange auf herbe Kritik

Hintergrund: Beantragt wurde seitens des Seniorenbeirats zum 1. Januar 2023 anstatt der bisher gezahlten Aufwandsentschädigung pro öffentlicher Sitzung von dreißig Euro für die Vorsitzende oder den Vorsitzenden sowie zwanzig Euro für die übrigen Mitglieder eine monatliche Aufwandsentschädigung von sechzig Euro für die Vorsitzende oder den Vorsitzenden und dreißig Euro für die übrigen Mitglieder. Somit erhöht sich das Jahresbudget von 600 auf 2.880 Euro.

Das Jahresbudget erhöht sich um 2.280 Euro

Begründet wurde dies mit dem großen Aufwand für die Organisation und Umsetzung der Aktivitäten. Die Verwaltung folgte der Argumentation, „da der Aufwand weit über die Vorbereitung und Teilnahme an öffentlichen Sitzungen hinausgeht, aber auch im Vergleich mit den aktuell gewährten Entschädigungen für andere städtische Ehrenämter.“

„So ist eine Wettbewerbssituation entstanden“

„Insgesamt wird ein großer Aufwand für Aktivitäten aufgeführt“, stieg Heinz Lange in die Thematik ein, „jeder im Ehrenamt weiß, wieviel Arbeit damit verbunden ist. Aber ist der Seniorenbeirat wirklich für die Umsetzung von Aktivitäten zuständig –  und nicht die Vereine? Die AWO Fehmarn mit ihrem breiten Aufgabengebiet für alle Bürger/innen bietet verschiedene Aktivitäten an“, führte der Vorsitzende aus. „Analoge Veranstaltungen werden vom Seniorenbeirat angeboten und in nicht unerheblichem Maße durchgeführt“, kritisierte er. „So ist eine Wettbewerbssituation entstanden.“

„Die Position von Ehrenamtlichen im Verein wird geschwächt“

Zwar wolle die AWO Fehmarn den Seniorenbeirat bei den Aktivitäten unterstützen, „damit dessen eigentliche Aufgaben nicht zu kurz kommen“, so Heinz Lange weiter, „aber bei Zahlung einer Aufwandsentschädigung für eigentliche Tätigkeiten wird die Position von Ehrenamtlichen im Verein geschwächt. Sollte der Seniorenbeirat sich nicht eher auf seine satzungsgemäßen Aufgaben konzentrieren und nicht auf die Aktivitäten, die parallel dazu laufen?“

„Ich bin froh über so einen aktiven Seniorenbeirat“

"Das Geld ist gut angelegt", befand Ausschussvorsitzender Lars Hviid. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

„Dass es Überschneidungen gibt, steht außer Frage“, entgegnete Hauptausschussvorsitzender Lars Hviid (FWV). „Aber wir reden nicht über Gehälter, die einen Rahmen sprengen. Das Geld ist gut angelegt und sicher werden Aufgaben über den Tellerrand hinaus wahrgenommen.“ Auch Bürgermeister Jörg Weber (SPD) plädierte: „Ich bin froh über so einen aktiven Seniorenbeirat. Ich glaube nicht, dass andere Aktionen zu kurz kommen.“

„Seniorenfrühstücke haben immer die gleiche Klientel“

Konkurrenz gebe es unter Vereinen und Parteien, „Seniorenfrühstücke haben immer die gleiche Klientel. Das ist unglücklich, wenn zwei an einem Tag stattfinden. Die AWO macht ebenfalls einen tollen Job, vielleicht sollten sie sich  mal an einen Tisch setzen“, empfahl er. „Wenn wir jetzt anfangen, im Bereich Seniorenarbeit Konkurrenz aufzumachen, sollten wir darüber sprechen“, mahnte der Bürgermeister. Lars Hviid ergänzte: „Das Miteinander ist viel wichtiger.“

"Wenn wir jetzt anfangen, im Bereich Seniorenarbeit Konkurrenz aufzumachen, sollten wir darüber sprechen", mahnte Bürgermeister Jörg weber. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

„Die AWO Fehmarn macht parallel zur VHS Veranstaltungen“

„Selbst die AWO Fehmarn macht parallel zur Volkshochschule (VHS) Veranstaltungen, beispielsweise Handygebrauch und Sprachkurse für Senior/innen. Da hat sich die VHS auch beschwert“, wandte sich Heinz Jürgen Fendt (SPD) an Heinz Lange. „Ich finde das in Ordnung, dass Sie das anbieten. Wir wollen das nicht hinterfragen, sondern Möglichkeiten anbieten für alle. Und wenn jemand fünfmal die Woche zum Frühstück geht, ist das eine gute Sache. Die Senior/innen kommen auf diese Weise unter Leute und haben Unterhaltung.“ Außerdem würde die Aufwandsentschädigung auch dazu dienen, Büromaterial zu zahlen, fügte er hinzu.

„Bis heute ist keiner darauf eingegangen“

Francesca Caci Jahn, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Fehmarn: "Ich bin von mir aus letztes Jahr zu verschiedenen Stellen gegangen und habe gefragt, ob wir uns zusammentun. Bis heute ist keiner darauf eingegangen." / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Francesca Caci Jahn erklärte: „Der Seniorenbeirat ist kein Verein, Herr Lange. Wir sind bereit, einiges gemeinsam zu machen, aber wir haben uns der Stadt gegenüber verpflichtet – und keinem Verein. Ich bin von mir aus letztes Jahr zu verschiedenen Stellen gegangen und habe gefragt, ob wir uns zusammentun. Bis heute ist keiner darauf eingegangen. Erst im Letzten Monat habe ich mit Ihnen und Carsten Lübke zusammengesessen. Jetzt bin ich ziemlich wütend, ich habe damit gerechnet, dass die Ausschussmitglieder möglicherweise dagegen stimmen, aber dass das von Ihnen kommt, Herr Lange – ich bin stinksauer“, machte Francesca Caci Jahn ihrem Ärger Luft.

Der Beschluss erging einstimmig

Fachbereichsleiter Björn Maier verdeutlichte, dass die Veranstaltungen wichtig seien, um die Interessen der Senior/innen aufzunehmen und an die politischen Entscheidungsträger/innen weiterzuleiten. Parteiübergreifend wurde dem Seniorenbeirat hervorragende Arbeit bescheinigt. Auch die AWO Fehmarn mache einen tollen Job. Ein Dialog müsse stattfinden. Der Hauptausschuss votierte einstimmig für die Erhöhung der Aufwandsentschädigung zum 1. Januar 2023. Der notwendige Nachtrag zur Satzung soll in der Sitzung der Stadtvertretung am 24. November 2022 erfolgen.

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