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Wie stehen die Bürgermeisterkandidaten zum Hotelneubau am Meeschendorfer Strand?

Bürgerbegehren: „Parkplatzproblematik ist nicht geklärt“

Ulrike Hübner in Meeschendorf / Foto: hhw/oh-presse
In diesem Beitrag: Parkplatzproblematik in Meeschendorf bereitet Sorge Parkplatz in Meeschendorf ausgelastet Keine Darstellung im Hotelkonzept Bettenanzahl im geplanten Hotel in Meeschendorf unklar Marco Eberle: Doris Klemptner: Manuel von Schalscha-Ehrenfeld Thomas Weber: Jörg Weber:
Fehmarn. Am 18. April ist es soweit, dann haben die Fehmaraner*innen die Wahl, sich für oder gegen den geplanten Hotelneubau der Jufa in Meeschendorf auszusprechen.

Am 18. April ist es soweit, dann haben die Fehmaraner*innen die Wahl, sich für oder gegen den geplanten Hotelneubau der Jufa in Meeschendorf auszusprechen. „Die Wahlunterlagen werden durch die Stadt verschickt“, erklärt die Vertretungsberechtigte des Bürgerbegehrens, Ulrike Hübner, das Procedere: „Inclusive zweier Stellungnahmen – die der Stadt und die des Bürgerbegehrens. Die Stellungnahme der Stadt ist aus unserer Sicht falsch“, verdeutlicht sie die Position des Bürgerbegehrens, und stellt einmal mehr die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Frage.

Parkplatzproblematik in Meeschendorf bereitet Sorge

Sorge bereitet ihr derzeit vor allem die Parkplatzproblematik: „Das ist nicht final geklärt. Derzeit sind 48 Parkplätze im Norden des Hotelgeländes geplant. Die Jufa ist im Gespräch mit der Stadt, die fehlenden Parkplätze anzukaufen.“ Hierbei handelt es sich bekanntlich um Stellflächen des Strandparkplatzes in Meeschendorf. Nicht nur für die Restauration, auch für die hoteleigene Restauration werden zusätzliche Parkflächen benötigt. Sowohl für Pkw, als auch für Busse. Was in der Hochsaison zu Problemen führen werde, davon ist Ulrike Hübner überzeugt: 

Parkplatz in Meeschendorf ausgelastet

„Hier möchten wir erneut darauf aufmerksam machen, dass selbst im Bauauschuss betont wird, dass der Parkplatz im Grunde nicht ausgelastet sei. Das aber steht im Widerspruch zu den Menschen, die dort arbeiten und den Aussagen jener Insulaner, die dort regelmäßige Strandbesuche machen.“

„Die Menge der Ganzjahres-Arbeitsplätze wurde auch nicht genau  benannt. Die Mitarbeier*Innen werden noch zusätzlich Platz brauchen. Ob das in dem Kontingent der noch benötigten Parkplätze mit drin ist, ist nicht bekannt. Eine Reduzierung der öffentlichen Parkplätze ist aus unserer Sicht nichts, was wir befürworten“, betont Ulrike Hübner.

Keine Darstellung im Hotelkonzept

„Das Konzept des Hotelbetriebs ist hier leider nirgendwo deutlich genug dargestellt“, bemängelt sie. „Es  geht ja bei der Bewertung eines Projektes auch um den Betrieb und den dadurch erzeugten Platzbedarf. Insofern bleiben wir dabei, dass dieses Hotel mit dem Konzept für diesen Platz ungeeignet ist.“

Bettenanzahl im geplanten Hotel in Meeschendorf unklar

Die Jufa selbst spricht von einem Hotel mit 82 Zimmern für Gäste mit 170-175 Betten. Dazu kommen rund 65 – 70 Kinderbetten und 10 Mitarbeiter-Zimmer sowie eine Hotelleiter-Wohnung. „Bei einer maximalen Auslastung rechnen wir mit einem Faktor von 0,7 bei den Kinderbetten, was bei Vollbelegung bedeuten würde, dass wir von rund 170 Eltern und rund 50 Kindern sprechen.“ Sobald Reisen nach Deutschland wieder möglich sind, will die Jufa auf der Insel zu Infoveranstaltungen einladen und persönliche Gespräche führen: „Nach wie vor wollen wir mit allen zusammenarbeiten und das Gemeinsame vor das Trennende stellen.“

Und wie sehen die Bürgermeister-Kandidaten den geplanten Hotelbau am Meeschendorfer Strand?

Marco Eberle:

„Soviel Engagement und Interesse an Politik wünsche ich mir grundsätzlich, auch zu allen anderen gesellschaftsrelevanten Themen“, findet Marco Eberle (Die Grünen) lobende Worte für das Bürgerbegehren und erläutert: „Ich habe alle Phasen des Projekts im Bauausschuss von Beginn an miterlebt und versucht, zu beeinflussen. Die erste Vorstellung des Vorhabenträgers hat uns alle im Ausschuss schwer beeindruckt. ,Familienfreundlich, öffentlichkeitszugänglich, gelebte soziale Verantwortung‘ etc. waren Stichworte, die wir von einem Investor selten gehört haben“, so Marco Eberle. 

„Der erste Entwurf stieß jedoch auf ein zunehmend geteiltes Echo“, fährt er fort: „Halbe Höhe, halbe Länge war die Forderung einiger. Nach Ortsbesichtigungen auf dem östlich gelegenem Nachbarsgrundstück und einer Visualisierung durch Familie Kleingarn, was die baulichen Wirkung eines Hotels mit dieser Massivität bedeutet, habe ich mich im Ausschuss für eine deutliche Reduzierung der Baukörper stark gemacht. Insbesondere eine Verringerung der Höhe lag mir am Herzen“, betont Marco Eberle. „Leider habe ich im letzten Bauausschuss keine Mehrheit hinter meiner Forderung vereinen können. Gerade was die Ver- und Entsorgung, Klimaneutralität und Infrastruktur angeht, ließen sich mit politischem Willen und dem Vorhabenträger sicher Lösungen finden.“

Doris Klemptner:

Einzelbewerberin Doris Klemptner (parteilos) betont: „Gute Bürgerbeteiligung ist mir wichtig, daher freue ich mich über aktive Bürger*innen. Das Thema ist sehr komplex. Ich habe sowohl den Landkreis als auch die JUFA angeschrieben, beim Kreis Rücksprache gehalten und die öffentlichen Protokolle sowie diverse Zeitungsartikel gelesen.“

„Ein Worst Case Szenario gibt es weder seitens der JUFA noch seitens des Kreises Hersfeld“, kritisiert sie: „Es ist nicht klar, was passiert, wenn das Bürgerbegehren die entsprechenden Mehrheiten erhält. Hier zu sagen, die Anlage wird eine Ruine, ist genauso falsch, wie die Aussage, es wird renoviert. Ob und wie es ein Rücktrittsrecht gibt, bleibt ebenso unklar. Für mich ist es von hoher Bedeutung zu wissen, was mit der Anlage passiert, wenn der Bürgerentscheid positiv ausfällt.“

Dringend geklärt werden muss ihrer Ansicht nach die tatsächliche Anzahl der Betten und der zu erwartenden Übernachtungsgäste. Doris Klemptner nennt vier Quellen: Die Antwort, die sie direkt von der Jufa erhielt, das Interessenbekundungsverfahren, die Vorstellung des Projekts in den Ausschüssen der Stadt sowie einen Prospekt: „Vier Quellen, vier unterschiedliche Aussagen. Was ist richtig? Egal, welche Quelle zu Grunde gelegt wird, gibt es eine Erhöhung von circa dreißig Prozent.

Doris Klemptner nennt vier Quellen: Die Antwort, die sie direkt von der Jufa erhielt, das Interessenbekundungsverfahren, die Vorstellung des Projekts in den Ausschüssen der Stadt sowie einen Prospekt: „Vier Quellen, vier unterschiedliche Aussagen. Was ist richtig? Egal, welche Quelle zu Grunde gelegt wird, gibt es eine Erhöhung von circa dreißig Prozent bezüglich der Parkplatzsituation. Bei den bisherigen Projektvorstellungen im B-Plan-Verfahren sind 48 Parkplätze auf dem eigenen Grundstück geplant. Eine verbindliche Anzahl der notwendigen Stellplätze ist nicht festgelegt. Vielleicht wäre pro Zimmer ein Stellplatz angemessen (das wären dann 82 Stellplätze). Und zusätzlich sind Stellplätze für die Gastronomie erforderlich. In der aktuellen Planung sollen circa fünfzig bis sechzig Parkplätze für die Übernachtungsgäste auf öffentlichem Grund abgelöst oder sogar nachgewiesen werden. Diese Frage soll nicht im B-Plan Verfahren, sondern erst im Durchführungsvertrag geregelt werden. Ob der Öffentlichkeit, den Fehmaranern oder den Strandbesuchern Parkplätze fehlen, ist nicht geklärt.“

„Wir haben aktuell keine Bedarfsanalyse für ein Hotel“, fährt Doris Klemptner fort: „Das Beherbergungskonzept der Stadt Fehmarn bezieht sich auf ,Urlaub auf dem Bauernhof‘. Mein Menschenverstand sagt mir, in der touristischen Entwicklung benötigen wir sicher eher ein Hotel als noch mehr Ferienwohnungen. Das Konzept der JUFA ist schlüssig. Aber der effektive Nutzen für Fehmarn bis auf Arbeitsplätze ist für mich nicht ersichtlich.“

Doris Klemptner fordert, Transparenz bei touristischen Entscheidungen herzustellen: „Die Transparenz fehlt hier insbesondere. Für mich ist unklar, wann wer einen Auftrag zur Verhandlung bekommen hat. Im JUFA Projekt erfahren wir, dass die Stadt schon vor sechs Jahren auf die JUFA zugegangen ist, im Protokoll vom 29.10.2019 ist erstmal die Rede von der Vorstellung im nicht öffentlichen Teil vom 19.09.2019. Hier würde ich mir Aufklärung wünschen.“

Und sie betont: „Es ist elementar und dringend erforderlich, die tatsächlichen Fakten zu kennen.“ Außerdem müsse man die Erwartungen der Bevölkerung kennen und einordnen. 

Doris Klemptners Meinung nach sollte die Stadt Fehmarn versuchen, jeweils einen Vertreter der Initiatoren JUFA, Eigentümer, Politik, Verwaltung und des Bürgerbegehrens gemeinsam an einen Tisch zu bekommen: Ich bin mir sicher, gemeinsam werden die Beteiligten dann die richtige Lösung für Fehmarn treffen können.“

Manuel von Schalscha-Ehrenfeld

Manuel von Schalscha-Ehrenfeld (FDP) meint: „Das Hotel ist so viel zu hoch. Es fügt sich nicht ausreichend genug in die Landschaft ein. Eine Entwicklung wie in Heiligenhafen sollte Fehmarn nicht anstreben. Und auch keine wie auf Sylt. Es sollten keine Projekte gebaut werden, bei der nur Einzelpersonen Profit machen. Arbeitsplätze auf Fehmarn sollten nicht dermaßen vom Tourismus dominiert sein. Nicht jeder, der hier lebt, will im Tourismus arbeiten. Die Menschen, die hier auf Fehmarn leben, sollten nicht vom Tourismus derart eingeschränkt sein. Überfüllte Strände zum Beispiel. Die Bürger müssen sich hier Nischen suchen. Das kann nicht das Ziel sein und auch nicht im Sinne der hier lebenden Menschen.“

Seiner Ansicht nach sollte das Hotel entweder halb hoch werden, oder es sollte eine „Verbesserung der Bestandsanlage durch Neubau, bei gleichbleibender Zielgruppe wie bisher“, erfolgen. „Auch eine Sanierung wäre eine Möglichkeit“, findet Manuel von Schalscha-Ehrenfeld: „Dazu sollte geklärt werden, wie viel Sanierungsbedarf dort wirklich besteht. Den Ansatz eines Upcyclings mit modernen nachhaltigen Ansätzen ist auch eine Möglichkeit. Ich wünsche dem Bürgerbegehren viel Erfolg und hoffe auf eine gute Lösung.“

Thomas Weber:

Einzelbewerber Thomas Weber (Kreisvorsitzender des ödp-Kreisverbands Ostholstein /Stormarn-Nord auf Fehmarn, und Mitglied des Landesvorstands der ödp) gratuliert zu den Aktivitäten und der erfolgreichen Zulassung des Bürgerbegehrens: 

„Auch ich stehe dem geplanten Neubau sehr skeptisch, bzw. ablehnend in seiner jetzigen Planung gegenüber. Ich persönlich strebe einen inselverträglichen Tourismus an. Dazu zählt, dass es keine„Bettenburgen“ an den Stränden gibt. Tourismus ja, jedoch kein Massentourismus ,auf Biegen und Brechen‘.“

„Ein Neubau von geplanter Größe und Höhe würde nicht in das Landschaftsbild passen“, fährt Thomas Weber fort. „Hinzu kommt die bekannte Tatsache, dass das Hotel in einem 150 Meter breiten Schutzstreifen entstehen soll. Aus Gründen des Naturschutzes ist dies natürlich nicht hinnehmbar. Der Naturschutz muss einen hohen, wenn nicht sogar den höchsten Stellenwert einnehmen. In erster Linie natürlich für die auf der Insel lebenden Menschen, aber auch für die Urlauber, welche Ihren Urlaub in intakter Natur und Ruhe verbringen möchten.“

Thomas Weber betont, dass für ihn „vorrangig das Wohl der einheimischen Bevölkerung zählt“. Dieses Wohl sieht er „durch die teils kritische Wasserversorgung massiv gefährdet. 

Ein Hotel in dieser Größenordnung und dieser Dimension würde diese Gefährdung noch weiter begünstigen.Dies möchte wohl niemand von uns. Wasserknappheit hatten wir bereits mehrfach durch die langen Trockenzeiten der vergangenen Jahre.“

Außerdem werde es „mehr Individualurlauber geben, die mit größter Wahrscheinlichkeit mit den eigenen PKW anreisen.“ Zusätzliche Schadstoffausstöße, eine erhöhte Lärmbelästigung und die Parkplatzproblematik bereiten ihm Sorgen: „ Stellplätze können in der geplanten Dimension bei dem Hotelneubau wohl nicht gewährleistet werden. Auf keinen Fall darf der öffentliche Parkplatz am Strand dafür abgetreten oder zur Verfügung gestellt werden. In den Sommermonaten platzt dieser zum Teil aus allen Nähten. Tagesbesucher oder auch Einheimische werden nicht genügend Parkraum vorfinden, somit ist das Wildparken oder Parken in Meeschendorf, bzw. an der Zufahrt zum Strand vorprogrammiert.“

 Thomas Weber bilanziert: „Dieser Hotelneubau ist in seiner geplanten Form unbedingt zu verhindern, ein neues Konzept zur Nutzung des Geländes muss aufgestellt werden.“

Jörg Weber:

Der amtierende Bürgermeister Jörg Weber (SPD), der Kraft seines Amtes als Einzelbewerber antritt, stand der OHP für eine Stellungnahme bislang noch nicht zur Verfügung.

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