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Dienstag, Oktober 20, 2020
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    Die Geschichte von Thorsten Hesse auf Fehmarn

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    Mein Name ist Thorsten Hesse und ich verliere heute mein behindertengerechtes Zuhause.

    Die Situation um Thorsten Hesse ist nicht einfach, insbesondere für ihn nicht. Bereits im Juni 2020 erhält die OSTHOLSTEIN PRESSE erste Hinweise auf seinen Fall. Uns werden Unterlagen, Urteile und Begründungen zugespielt, welche die ganze Situation von Thorsten Hesse aufzeigen. Darüber hinaus erhalten wir zahlreiche Schilderungen aus vielen Blickwinkeln. Die Situation mag auf den ersten Blick moralisch eindeutig zu sein, rechtlich ist die Situation für den Laien allerdings schwieriger einzuordnen.

    Da zu diesem Zeit noch nicht klar ist, wie sich die Sache weiterentwickelt, entscheiden wir uns zunächst dafür, weitere Informationen zu sammeln und die Geschichte von Thorsten Hesse noch nicht zu veröffentlichen.

    17. Juni 2020 – Mit dem Urteil vom Amtsgericht in Oldenburg wird es ernst.

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    Thorsten Hesse in seiner Wohnung im Staakensweg bei der Zwangsräumung / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    Nach dem Urteil vom Amtsgericht Oldenburg war Thorsten Hesse mit seinem Mieten im Rückstand. Dies nahm die damalige Eigentümerin wohl zum Anlass und kündigte ihm seinen Mietvertrag. Im Gegenzug erklärt Hesse dem Gericht, dass er seit Jahren für Reparaturen aufkommt. „Ich bin so traurig, wütend und fassungslos….seit Jahren kämpfe ich hier Zuhause gegen Schimmel, Wasser an Wänden, aus dem Dach und am Boden….gegen defekte Elektroleitungen, gegen einfrierende Wasser- und Abwasserleitungen ab minus 5 Grad usw, usw.“ schreibt er bei Facebook. „Zu Anfang habe ich mir Notreparaturen noch von der Grundsicherung abgespart – dann, nach Jahren irgendwann endlich (und mutig genug…..) Miete einbehalten – zur Reparartur! Warum so spät? Ganz klar – ich wollte keinen Streit, keinen Stress….nichts provozieren oder so….“.

    So lag die Entscheidung und Bewertung der Aussagen dann schlussendlich beim Amtsgericht in Oldenburg. Und hier entscheidet der Richter gegen Hesse. „Der Richter tut mir furchtbar leid – Null Empathie, kein soziales Rückgrad…..nur §§ hinter denen Er Sich versteckt….. Wahnsinn…“  ist Hesse‘s Kommentar zu der Entscheidung. – Gemeinsam mit seinem Anwalt geht er in Berufung, das Urteil steht noch aus.

    Trotz Berufung: Es wird geräumt.

    Das „Berliner Modell“ ist ein Vermieterpfandrecht an allen in der Wohnung befindlichen Gegenständen. Der Gerichtsvollzieher ist in diesem Fällen also nur für die Herausgabe der Wohnung verantwortlich, nicht aber für die Räumung. Alles was sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Wohnung befindet, geht in den Besitz des Eigentümers über. Hesse wollte noch versuchen, die Räumung zu verschieben: „Mein Rechtsanwalt und ich haben versucht, die Zwangsräumung etwas nach „Hinten“ zu verschieben, damit ich etwas mehr Zeit und Sicherheit habe, körperlich und seelisch nicht so schwer belastet werde und so weiter….“ – dies wurde abgelehnt.

    „Der Beschluß ist vernichtend….leider….“

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    Zusammen mit einem langen Beitrag veröffentlicht Hesse auch den Beschluss des Amtsgerichts Oldenburg zur Zwangsräumung auf seiner Facebook-Seite. Seine nüchterne Erkenntnis: „Der Beschluß ist vernichtend….leider….“

    Er muss den Ort, den er jahrelang bewohnt und für seine Anforderungen umgebaut hat, verlassen. Das Objekt, so sagt Hesse uns später, soll vom neuen Eigentümer saniert dann als Ferienwohnung genutzt werden.

    „Er ist da sehr ungeschickt und anfangs wohl auch falsch beraten gewesen“

    Menschen, mit denen wir während der Recherchen gesprochen haben, beschreiben Thorsten Hesse als idealen Mieter. „Er erhält eine Grundsicherung und hat einen Assistenten an der Seite, der ihm im Alltag hilft. Er ist ein netter, ruhiger und handwerklich begabter Mensch. Darüber hinaus ist er außerordentlich hilfsbereit“ erzählt uns ein Freund von Thorsten damals im Gespräch.

    „Warum helfen Sie mir nicht?“

    Thorsten Hesse auf der 15. Sitzung der Stadtvertretung in der Inselschule auf Fehmarn / FOTO: DENNIS ANGENENDT
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    Als nun mit dem Beschluss des Amtsgericht endgültig und unausweichlich feststeht, dass Thorsten Hesse per Zwangsräumung seine Wohnung verlassen muss, geht er in die Offensive. Bei der Stadtvertretersitzung am 24. September macht er seinem Ärger Luft. Er erklärt in großer Runde seine Situation und fragt ganz direkt den Bürgermeister, wieso dieser ihm nicht helfe. Im Gegenteil, so sagt Hesse, hätte der Bürgermeister persönliche Email-Korrespondenz zwischen ihm und Hesse an Gerichte weitergeleitet. Diese seien, so Hesse weiter, mit ausschlaggebend für die nun anstehenden Räumung gewesen. Belegen tue dies das Urteil des Amtsgerichts, in dem es hieße, dass dem Gericht eine persönliche Email vorliegen würde. – Hesse hätte diese nicht weitergeleitet. Der 54 jährige erklärt abschließend, dass er diesen Fall bereits mit seinem Anwalt besprochen hätte und rechtliche Schritte gegen Bürgermeister Jörg Weber einleiten wird.

    29. September: Der Tag ist gekommen

    Der ASB und die Polizei waren bei der Zwangsräumung anwesend / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    Am 29. September 2020 gegen 09:00 Uhr war es schließlich soweit. Thorsten Hesse musste sein Haus räumen. Bis gestern hatten ihm Freunde und Bekannte geholfen, sein Hab und Gut aus der Wohnung heraus zu schaffen, heute waren nur noch einige Kleinigkeiten, wie zum Beispiel sein Sauerstoffgerät, in der Wohnung.

    „…die linke Hälfte des Hauses Staakensweg 92 in Fehmarn, bestehend aus 4 Zimmern, Küche, Bad sowie Garten geräumt herauszugeben“ – AG Oldenburg

    Kurz vor 9 traf Thorsten Hesse mit seinem Assistenten vor dem Haus in dem Staakensweg ein. Er konnte diese eine Nacht bei Freunden verbringen, seine Wohnung war ja bereits leer.

    Als er eintraf, waren schon ein Rettungswagen des ASB sowie die Gerichtsvollzieherin und ein Mitarbeiter der Stadt Fehmarn vor Ort. Auch die Polizei war mit 3 Beamten vor Ort, um die Maßnahme zu begleiten. Ebenfalls anwesend: der neue Eigentümer der linken Hälfte des Hauses Staakensweg 92 in Fehmarn, bestehend aus 4 Zimmern, Küche, Bad sowie Garten.

    „Er hat keinen Ton gesagt“

    Nach und nach trafen auch Freunde und Bekannte von Thorsten Hesse am Haus ein. Sie leisteten dem Mann im Rollstuhl Beistand, der nun mit der Gerichtsvollzieherin, dem Stadtmitarbeiter sowie dem neuen Eigentümer und einem Polizisten die Wohnungsübergabe im Haus durchführte. Nach rund 20 Minuten war offenbar alles geklärt. Thorsten Hesse verließ ein letztes Mal „sein“ Haus. Den Schlüssel hat er bereits drinnen an den neuen Eigentümer übergeben. Gesprochen haben die beiden nicht.

    In einem Interview mit der OSTHOLSTEIN PRESSE erklärt Torsten Hesse: “Das, was ich hier durchmache, wünsche ich nicht mal dem neuen Hausbesitzer, obwohl dieser mich aus dem Haus geklagt hat.“ Danach macht er sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.

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