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Sonntag, September 20, 2020
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    Start Lokal Fehmarn Eine große Sache – Keine sonnigen Aussichten wegen Hotelanlage in Meeschendorf

    Eine große Sache – Keine sonnigen Aussichten wegen Hotelanlage in Meeschendorf

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    Das letzte Mal wurde am 19.05.2020 im Bau- und Umweltausschuss über das Hotel-Projekt des österreichischen Unternehmens JUFA gesprochen. Nach langer Beratschlagung und Diskussion einigte man sich damals im zweiten Durchgang mit 8 zu 3 Stimmen auf das vom Investor vorgetragene Hotelkonzept in Meeschendorf.

    Die 100 Zimmer, welche in einem Familienhotel in unmittelbarer Strandnähe angeboten werden sollen, kommen in 3 Gebäudekomplexen unter. Entstehen soll die Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Die JUFA hatte Mitte 2019 einen 75-jährigen Pachtvertrag für das Gelände unterschrieben.

    15,40 Meter – „Eine Frage der Perspektive“?

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    Schon in der Sitzung am 19.05.2020 wurde auf die „teils verniedlichende“ (Heino Kühl (WUW)) Bau- und Ansichtszeichnung hingewiesen. Architekt Franz-Josef Nähring, der von der JUFA mit dem Projekt beauftragt wurde, widersprach damals: „Die Zeichnung stimmt, da ist nichts geschönt“, räumte jedoch auch ein: „Die Perspektive kann sich natürlich je nach Standpunkt verändern“.

    Eine Frage der Perspektive ist sicherlich auch die von Bauleitplaner Nagel (Planungsbüro Ostholstein) getätigte Aussage, es gäbe ja bereits hohe Bauten in unmittelbarer Umgebung. – Nach einem kurzen Spaziergang am Strand von Meeschendorf ein schwierig zu haltender Standpunkt, fand schon damals auch Katherin Kleingarn. Die nächsten Gebäude der Kategorie „hohe Bauten“ sind wohl als Drilling am Südstrand zu finden.

    Die geplante Hotelanlage in Meeschendorf beeinträchtig den Campingplatz von Katherin Kleingarn enorm. Sie hat deshalb erneut zu einem Vor-Ort-Termin geladen. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    50 Zentimeter wurden durch den Investor angeboten

    In Anbetracht des Gesamtumfangs der Anlage wirkt da das Entgegenkommen des Architekten Nähring wie eine Farce. Auf die Nachfrage von Andreas Herkommer (SPD), auf wie viel Höhe denn wohl verzichtet werden könnte, antwortet Nähring, dass er sich auf 50 Zentimeter einlassen könne. „Da weiß man dann ja auch gar nicht mehr was man sagen soll“, kommentiert Katherin Kleingarn, Betreiberin des Campingplatzes „Inselcamp Fehmarn“ und somit direkte Nachbarin und unmittelbar durch den Bau betroffene Anliegerin, diesen Vorschlag.

    Die Höhe ist nur durch Zahlen schwer greifbar

    15,40 Meter ist nun also die beschlossene Höhe bis zum First. Eine Zahl, die man sich ohne reale Visualisierung – nur als Zahlen auf dem Papier – schwer vorstellen kann. Um die Höhe und Dimension des geplanten Hotels auf dem direkten Nachbargrundstück zu verdeutlichen, hat Katherin Kleingarn zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen.

    Detlef Kleingarn zeigt die vielen unterlagen der JUFA. Die Zeichnungen wurden schon in der letzten Bauausschusssitzung kritisiert. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    Wichtiger Vor-Ort-Termin in Meeschendorf. – Fast alle kommen.

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    Am gestrigen Mittwoch (02.09.) waren alle Fraktionen, sowie Stadt- und Ausschussvertreter eingeladen. Viele folgten der Einladung Katherin Kleingarns, um sich bei diesem wichtigen Thema nochmals vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Grade hinsichtlich der am 15.09.2020 erneut anstehenden Bau- und Umweltausschusssitzung sicherlich ein gut gewählter Termin, um sich die Dominanz der geplanten Gebäude in Erinnerung zu rufen.

    Wichtige Mitglieder des Bauausschusses fehlen

    „Dass es einige offenbar nicht einrichten konnten, ist natürlich schade“, sagt Katherin Kleingarn zu Beginn des Termins. Gemeint ist hier wohl auch die SPD, von der – obwohl sie im Bauausschuss mit 4 Personen die meisten Mitglieder stellt – kein Vertreter vor Ort war.

    Uneinigkeit in der SPD zum Thema

    Auf der Sitzung am 19.05.2020 zu dem Thema wurde klar, dass zur Hotelanlage in Meeschendorf Uneinigkeit innerhalb der Partei besteht. Marianne Unger (SPD) gab schon in der Sitzung zu verstehen, dass sie kein Problem mit den 15 Metern Gebäudehöhe hat, Bernd Remling (ebenfalls SPD) ordnete das Projekt des Investors insgesamt positiv ein. Andreas Herkommer votierte hingegen – anders als seine Parteigenossen – gemeinsam mit Marco Eberle (Grüne) und Hinnerk Haltermann (CDU) mit „Nein“.

    15 Meter überragen den Campingplatz in Meeschendorf um Längen

    Der schmale Teleskoparm ragt in den Himmel empor. Ein massiver Gebäudekopmlex ist schwer vorstellbar. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    Mit einem Tross von rund 20 Personen ging es so also am Mittwoch über den seit 2000 mehrfach mit Öko-, Eco- und Umweltpreisen ausgezeichneten 5-Sterne Campingplatz. Die Zeit hat Katherin Kleingarn bewusst gewählt. „Der Sonnenstand zeigt deutlich das Ausmaß“.

    Schon vom Eingang ist der extra für diesen Termin aufgestellte Hub-Steiger mit Korb zu sehen. Der auf 15,40 Meter ausgefahrene Teleskoparm mit Korb an der Spitze überragt alles im Umkreis um Längen. Zur Veranschaulichung wurde ein Banner vom Korb herabgelassen, an dem verschiedene Höhen eingezeichnet wurden – insgesamt bis zu der geplanten Bauhöhe von 15,40 Metern der Hotels auf dem Nachbargelände.

    „Man kann die Höhe zwar immer auf dem Papier lesen, aber es ist gar nicht so einfach sich das vorzustellen“, sagt die 37-jährige, die den Campingplatz vor 3 Jahren von ihrem Vater übernommen hat.

    Schattenwurf über weite Teile des Campingplatzes auf Fehmarn

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    „Jeder Höhenmeter hat eine große Bedeutung“ sagt Katherin Kleingarn. Auch beim Pressetermin ist bereits um 18:00 Uhr ein deutlicher Schattenwurf auf dem Gelände zu sehen. „Insgesamt werden rund 200 Plätze durch den Schatten betroffen sein“, erklärt sie weiter. Dies sind auf ihrem Campingplatz rund 50 % aller Stellplätze. Zum Ende des Termins um kurz nach 19:00 Uhr steht die Sonne so tief, dass durch das Banner die Schattenlänge beinahe über den gesamten Platz reicht.

    Auf den Zeichnungen in den Händen von Detlef Kleingarn wird die tatsächliche Höhe nicht deutlich. Seine Tochter ist oben im Korb vom Teleskopmast / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    „Grade die Abendsonne sei das Entscheidende“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Die Gäste sitzen an ihren Plätzen, grillen oder wollen die Ruhe und Natur genießen. „Die JUFA erklärt in ihren Unterlagen, dass der Schattenwurf zu vernachlässigen sei, aber das stimmt ja ganz deutlich nicht. Wir würden gerne eine Schattenstudie zu den für uns relevanten Zeiten haben“ sagt Katherin Kleingarn. Ihr Vater ergänzt: „Wenn wir nur ein paar Meter tiefer kommen würden: Volle Begeisterung bei uns! Bei rund 10 Metern Gebäudehöhe wären vom Schatten 100 Plätze betroffen, das ist schon mal ein Fortschritt“.

    Bereits Kündigungen für Dauerstellplätze erhalten

    „Wir haben aufgrund des Bauvorhabens bereits Kündigungen bekommen“ beschreibt die Platzchefin die noch nicht abzusehenden wirtschaftlichen Folgen für den Campingplatz. „Ganz konkret wurde das Bauvorhaben und die damit offensichtliche Verschlechterung der Dauerstellplätze in den Bereichen genannt. Und wenn nicht die Kündigungen für das erste Jahr mit Hotel kommen, dann sicherlich für das darauffolgende“. Der genaue wirtschaftliche Schaden muss durch einen Sachverständigen ausgerechnet werden. Sollten jedoch wirklich 50% der Stellplätze betroffen sein, würden hier enorme Verluste entstehen.

    Katherin Kleingarn erklärt den Vertretern ihr Anliegen und legt ihre Argumente dar. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

    „Mir fehlt die Unterstützung aus der Politik“

    „Wir haben Ideen eingebracht und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Wir wünschen uns als einheimischer Betrieb hier mehr Unterstützung durch die Politik“, so Katherin Kleingarn. „Wir möchten uns gerne mit allen Beteiligten an einen runden Tisch setzen und eine gemeinsame Lösung finden. Man kann sich sicherlich irgendwie arrangieren, aber bisher ist zu wenig gekommen.“ fügt ihr Vater Detlef Kleingarn an. „Mit den angebotenen 50 Zentimetern können wir nicht leben.“

    Immer gesprächs- und kompromissbereit

    „Ich möchte nochmal deutlich sagen, dass wir nicht gegen ein Hotel sind. Wir wollen ein gute Lösung für alle. Wir sind für ein Hotel in Maßen, welches sich in die Umgebung einfügt.“ zeigt sich Katherin Kleingarn kompromissbereit. „Es wäre ja sehr viel schöner, wenn sich das Hotel mehr in die Breite strecken würde und die 5,80 Meter – die Höhe der aktuellen Gebäude auf dem Nachbargelände – gehalten würde.“ ergänzt Katherins Vater. „Sonst fehlt uns irgendwann die Natur. Camping heißt ja Urlaub machen, in und mit der Natur. Und hier wird uns die Natur einfach abgeschnitten“.


    beenhere

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