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Fehmarn wird sich nicht an dem Modellprojekt beteiligen

Fehmarn wird keine Modellregion für neues Tourismus-Projekt

Die Gäste müssen noch etwas warten. Fehmarn wird nicht am Modell-Projekt teilnehmen. Clara Margais/dpa
In diesem Beitrag: Fehmarn wird sich nicht am Konzept beteiligen Fehmarn hätte sich für Modellprojekt bewerben können Urlauber hätten bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen Keine leichte Entscheidung für die Verantwortlichen auf Fehmarn Große Betriebe bereits informiert Einige Urlauber dürfen trotzdem kommen So haben die Fraktionen auf Fehmarn abgestimmt Heinz-Jürgen Fendt, SPD Hans-Peter Thomsen, WUW Andreas Hansen, FWV Peter Meyer, FDP Werner Ehlers, CDU und Marco Eberle, Grüne
Fehmarn. Die Stadt Fehmarn wird sich nicht am „Konzept zur Durchführung touristischer Modellprojekte in Schleswig-Holstein“ beteiligen.

Verantwortungsvoller Urlaub in Pandemiezeiten – das ist insbesondere für eine Insel, die touristisch geprägt ist, eine echte Herausforderung.

Fehmarn wird sich nicht am Konzept beteiligen

Die Stadt Fehmarn wird sich nicht am „Konzept zur Durchführung touristischer Modellprojekte in Schleswig-Holstein“ beteiligen. Das gab heute Tourismusdirektor Oliver Behncke bekannt.

Auf der Seite des Landes wird das Ziel dieses Projekts folgendermaßen definiert: „Schleswig-Holstein zeigt als innovatives Tourismusland nach einem erfolgreichen Sommer 2020 anhand von konkreten Modellprojekten, dass Urlaub in Pandemiezeiten mit Auflagen und intelligenten Konzepten verantwortungsvoll möglich ist.“

Fehmarn hätte sich für Modellprojekt bewerben können

Fehmarn hätte sich beim schleswig-holsteinischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus um „die Einrichtung zeitlich befristeter, regional abgegrenzter Modellprojekte im Bereich des Tourismus“ bewerben können.

Tourismus-Chef Oliver Behncke / Foto: DENNIS ANGENENDT (Archiv)

Urlauber hätten bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen

Dabei hätte die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten – und zwar als Ausnahme zu der jeweils gültigen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Schleswig-Holstein – „unter Nutzung konsequenter Testregimes und dem Einsatz digitaler Nachverfolgungssysteme untersucht werden sollen“. So muss beispielsweise bei Anreise ein negativer Antigen-Schnelltest oder PCR-Test nachgewiesen werden, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, um nur einen Punkt zu nennen.

Voraussetzung zur Durchführung ist, dass innerhalb der vorangegangenen sieben Tage weniger als 100 Neuinfektionen mit dem Coronavirus je 100.000 Einwohnern gemeldet worden sind.

Keine leichte Entscheidung für die Verantwortlichen auf Fehmarn

Sehr kontroverse Diskussionen wurden zum Thema geführt. Leicht haben sich die Verantwortlichen diese Entscheidung nicht gemacht.

„Grundsätzlich gibt es die Bereitschaft, Modellregion zu werden, aber als wir stärker in das Thema eingestiegen sind und mit Fraktionen und Beherbergern am runden Tisch saßen, wurde deutlich, dass es aufgrund der Entwicklung der Pandemie für Fehmarn nicht ratsam ist, sich an dem Projekt zu beteiligen“, so Tourismusdirektor Oliver Behncke. Abgesehen von dem „enormen organisatorischen Aufwand“ sieht er auch Schwierigkeiten bei der Kontrollierbarkeit der Vorgaben überall auf der Insel.

Große Betriebe bereits informiert

„Die Politik hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht“, betont der Tourismusdirektor, der „die großern Beherberger bereits über die Entscheidung informiert“ hat.

Relativ spontan wurde der Punkt mit auf die Tagesordnung der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung genommen, berichtet Oliver Behncke. „Nach langen und sehr intensiven Diskussionen und unter Abwägung aller Interessenlagen sowie Berücksichtigung der aktuellen Pandemielage auf Fehmarn haben sich die Fraktionen / Parteien mit 2 x „Ja“ und 4 x „Nein“ mehrheitlich gegen eine Beteiligung als Modellregion ausgesprochen.“

Einige Urlauber dürfen trotzdem kommen

Nach Meinung Behnckes wird jetzt der richtige Weg eingeschlagen. Die Unterstützung der Wirtschaft sei gegeben. Zweitwohnungs- und Bootsbesitzer, Dauercamper und Tagestouristen können bekantlich momentan auf der Insel willkommen geheißen werden.

So haben die Fraktionen auf Fehmarn abgestimmt

Mit vier zu zwei Stimmen wurde das Projekt nach langen und intensiven, teils sehr kontroversen Diskussionen von den Fraktionen abgelehnt. Für eine Beteiligung am „Konzept zur Durchführung touristischer Modellprojekte in Schleswig-Holstein“ sprachen sich WUW und FWV aus, dagegen stimmten CDU, SPD, Die Grünen und die FDP.

Heinz-Jürgen Fendt, SPD

Heinz-Jürgen Fendt bezieht ausdrücklich in seiner Eigenschaft „als Fraktionsvorsitzender der SPD, nicht als stellvertretender Bürgermeister!“ Stellung und erklärt, warum seine Partei sich jetzt gegen die Teilnahme ausgesprochen hat:

„Grundsätzlich sind wir dafür, wenn wir Modellregion werden könnten, aber aufgrund der aktuellen pandemischen Ereignisse ist das nicht angeraten. Deswegen – und natürlich auch wegen der Kontrolle, die momentan nicht gewährleistet werden kann. Das liegt nicht an der Stadt“, betont er, „sondern daran, dass viele Menschen sich nicht an die Regeln halten, insbesondere auch die Vermieter. Würden sich alle dran halten, wäre das vielleicht machbar. Aber im Hinblick auf die Gesundheit der Einheimischen und Urlauber müssen wir sagen: Im Moment ist das Projekt nicht angesagt.“

Hans-Peter Thomsen, WUW

Fraktionsvorsitzende der WUW, Hans Peter Thomsen / Foto: DENNIS ANGENENDT (Archiv)

Sehr kontrovers wurde das Thema in der WUW diskutiert, bevor dem Projekt schließlich „mit Auflagen zugestimmt“ wurde, so Hans-Peter Thomsen (WUW): „Mit einer gelungenen Beteiligung hätten unsere Vermieter die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema Beherbung in Coronazeiten auseinanderzusetzen“, meint er. „Dieses Modellprojekt wird von einer Uni begleitet, außerdem stehen Finanzmittel des Landes zur Verfügung. Ich sehe dieses Projekt als Chance, auf der Insel Beherbergung zu erlauben. Für die Campingplätze bedeutet das, wenn sie weniger Dauerstellplätze als fünfzig Prozent haben, dürfen sie bis dahin aufstocken. Eine Teilnahme am Projekt bedeutet Umsatz für Vermieter und auch für die Gastronomie.“

Andreas Hansen, FWV

Andreas Hansen (FWV) hofft, dass das Thema Modellregion nächste Woche „mit Zusammenfassung und öffentlicher Stellungnahme“ noch einmal im Hauptausschuss zur Sprache kommt. „Die FWV hat sich für die Bewerbung als Modellregion ausgesprochen“, erklärt er und fährt fort:

„Allerdings haben wir noch mal das Thema aufgeworfen, ab einer bestimmten Größe des Beherbergungsbetriebs eine Belegung von nur fünfzig Prozent festzuschreiben und dadurch zu reglementieren, dass nicht zu viele Touristen kommen. Spätestens im Juni wird der Tourismus wohl sowieso freigegeben“, vermutet Andreas Hansen. „Wir hätten das Projekt jetzt unter Beobachtung durchführen können und eine Studie gehabt, hätten die Gastronomie testen, Schwachstellen erkennen und nachbessern können. Auf diese Weise hätten wir uns für die Hauptsaison wappnen können.“

Peter Meyer, FDP

Ich war der Erste, der dagegen gestimmt hat“, so Peter Meyer, FDP. Zwar habe er sich die Teilnahme vorstellen können, aber: „Die Auflagen sind nicht kontrollierbar.“ Und da die Zahlen immer höher steigen, findet Peter Meyer „es gegenüber den Fehmaranerinnen und Fehmaranern nicht verantwortungsvoll, jetzt so ein Projekt durchzuziehen.“

Dem Vorschlag, bei einem Inzidenzwert über 50 „alles abzublasen“, wollte man nicht zustimmen, gibt er zu bedenken. Bis 50 wäre er wohl mitgegangen. Auch wesentliche Vorteile für Gewerbetreibende sieht er durch das Projekt nicht: „Das Gros hat nicht viel mehr als jetzt mit Außer-Haus-Verkauf, der ja jetzt verstärkt betrieben wird. Beherbergungsbetriebe leiden etwas mehr, das tut mir leid.“ Peter Meyer ist dennoch überzeugt: „In der heutigen Zeit ist es gut, möglichst wenig Kontakte zu haben.“

Werner Ehlers, CDU und Marco Eberle, Grüne

Werner Ehlers (CDU) war bislang nicht zu erreichen. Marco Eberle ist momentan verhindert, hat seine Stellungnahme jedoch für morgen zugesagt.

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