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Initiative übt Kritik an Darstellung von Baltic FS

Kritik: „Argumentation von Baltic FS nicht stichhaltig“

Die Baustelle bei Marienleuchte im Sommer. / Foto: Beltretter
Fehmarn. Die Initiative "Bewahrt Fehmarn" übt Kritik an der Darstellung von Baltic FS. In einem offenen Brief wenden Sie sich an Stadtvertreter*innen und den Bauauschsuss.

Kritik: „Argumentation von Baltic FS nicht stichhaltig“

In einem offenen Brief wendet sich die Initiative „Bewahrt Fehmarn“ an die Stadtvertreterinnen. „Wir halten die Argumentation von Baltic FS weiter für nicht stichhaltig. Es handelt sich weiterhin um eine Spekulationsfläche, die Baltic FS mittels Angstmacherei doch noch durchzusetzen versucht“, heißt es in der von Dr. Angelika Wenner-Binding, Rainer Ackermann, Mirko Kaminski unterschriebenen Mitteilung.

„Nicht nur Marienleuchte betroffen“

Nicht nur Marienleuchte wäre betroffen, sondern der gesamte Nordosten der Insel. Das temporäre Gewerbegebiet grenzt auch an Puttgarden und die Entfernung zu Bannesdorf ist gering. Bei entsprechender Windrichtung würden all diese Orte und auch Presen von den Emissionen des Gewerbegebiets leiden – zusätzlich zu den belastenden Emissionen der eigentlichen Belttunnel-Baustelle.


Offener Brief an die Stadtvertreter*innen und die Mitglieder im Bauausschuss. Der Inhalt gibt die Meinung der Verfasser wieder und wird vollständig, unverändert und ungekürzt veröffentlicht.


Sehr geehrter Stadtvertreter*innen, sehr geehrter Bauausschuss,

kürzlich warnten wir bereits davor, dass das temporäre Gewerbegebiet bzw. Industrieareal im Fachbereich Bauen wertvolle und ohnehin knappe Kapazitäten rauben würde. Kapazitäten, die eigentlich dringend für die Schaffung von fehmarnschem Wohnraum benötigt werden! Nun hat sich die personelle Situation im Fachbereich Bauen – leider und zu unserem Bedauern – weiter verschärft. Käme das temporäre Gewerbegebiet, blieben dem Wohnungsbau im Amt jetzt sogar noch weniger personelle Ressourcen. Zur Erinnerung: Ein temporäres Gewerbegebiet hat es so in Deutschland noch nie gegeben. Es wäre ein absolutes Novum und damit ein Experiment. Es wäre juristisch hochgradig komplex und daher von einer kleinen Kommune wie Fehmarn kapazitär kaum zu stemmen. Schon jetzt gehen bei uns auf Fehmarn Wohnungsbauprojekte nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit voran. Müsste der Fachbereich Bauen auch noch das temporäre Gewerbegebiet schultern, würde dies den Wohnungsbau kurz- bis mittelfristig noch einmal zusätzlich ausbremsen. Wäre es die Schönfeldt’sche Spekulationsfläche wert? Auf keinen Fall!

Emissionen noch zusätzlich zu jenen der Tunnel-Baustelle

Neben vielen weiteren Punkten spricht gerade dieser Aspekt stark gegen das temporäre Gewerbegebiet, wurde bislang allerdings kaum diskutiert: Emissionen durch das Gewerbegebiet! Puttgarden, Bannesdorf und Presen werden durch die eigentliche Belttunnel-Baustelle ohnehin bereits stark belastet werden. Lärm stellt da nur einen Teil der Emissionen dar. Es geht auch um Lichtverschmutzung, Geruchsemmissionen, Abgase, Feinstaub,… . Ein zusätzliches und dann auch noch dermaßen überdimensioniertes Gewerbegebiet so nah an Puttgarden, Bannesdorf und Marienleuchte wäre eine zusätzliche und unzumutbare Emissionsquelle und Belastung noch zusätzlich zur eigentlichen Belttunnel-Baustelle. Den Emissionen der Tunnelbaustelle würden die eines fast 15 Hektar großen Gewerbegebiets hinzuaddiert! Das kann dem Nordosten der Insel zusätzlich zur ohnehin gravierenden Tunnel-Baustelle unmöglich zugemutet werden! Dem temporären Gewerbegebiet kann daher unmöglich zugestimmt werden.

Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer von Baltic FS. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Mirko Schönfeldt mag übrigens noch so oft behaupten, ohne das Areal drohe „Wildwuchs“ auf der Insel. Die Behauptung wird dadurch nicht richtig. Und sie wird auch nicht dadurch richtig, dass auf einer Info-Veranstaltung von Baltic FS eine Folie mit einfach mal willkürlich überall auf Fehmarn eingezeichneten Kleinflächen gezeigt wird. Es ist Angstmacherei, um die Spekulationsfläche doch noch durchzusetzen. Wir sollten nicht darauf hereinfallen. Wir sagen: Wenn es überhaupt eine temporäre Gewerbefläche geben soll, dann auf dem nahen Festland. Fehmarn hat bereits genug zu schultern!

Wenn ein Areal, dann doch auf dem nahen Festland!

Obwohl Femern A/S immer wieder mitteilt, dass diese zusätzliche Gewerbefläche nicht gebraucht wird, heißt es von einzelnen interessierten Akteuren, die Fläche brauche es doch. Um nämlich „den Zulieferverkehr“ zu reduzieren. Dies ist aber Tüdelkram. Die 10% der Materialien, die nicht über den Arbeitshafen in Puttgarden angeliefert werden, werden über die E 47 / B 207 antransportiert. Das werden sie so oder so – ob nun mit oder ohne einem temporären Gewerbegebiet. Sie kommen über die Fehmarnsundbrücke. Sollte eine Zwischenlagerfläche tatsächlich als erforderlich angesehen werden, so sollte diese auf dem Festland eingerichtet werden, um Fehmarn diese unnütze Zusatzbelastung zu ersparen. Unternehmen wie Burchardt verfügen über derartige Flächen auf dem Festland.

Und dies zur Erinnerung:

Telefonbefragung: Mehrheit weiter gegen „temporäres Gewerbegebiet“

Wir haben – wie ja berichtet – vor Kurzem erneut eine Telefonumfrage durchgeführt. 2014 hatten wir schon einmal fehmarnsche Wahlberechtigte dazu befragt, wie sie zum temporären Gewerbegebiet stehen. Die seinerzeitige Umfrage hatte das Meinungsforschungsunternehmen YouGov für uns durchgeführt. Eine deutliche Mehrheit hatte das „temporäre Gewerbegebiet“ zu jenem Zeitpunkt und in unserer Umfrage abgelehnt. Und so ging dann der Bürgerentscheid tatsächlich auch aus. Das erhobene Stimmungsbild erwies sich also später also als absolut korrekt.

Aktivisten haben im Rahmen des Aktionstages gegen die feste Fehmarnbeltquerung eine Baustelle bei Marienleuchte auf Fehmarn besetzt. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Im Sommer haben wir diese Befragung wiederholt. Das Marktforschungsunternehmen Foerster & Thelen ( https://www.ftmafo.de/ ) hat sie in unserem Auftrag auf der Insel durchgeführt und innerhalb einer Zufallsstichprobe telefonisch 300 fehmarnsche Wahlberechtigte befragt. Das Ergebnis: Die deutliche absolute Mehrheit der Befragten lehnt die Idee des temporären Gewerbegebiets weiterhin ab. Ein weiteres Ergebnis ist übrigens, dass die Mehrheit der Befragten findet, die Stadtvertretung sollte sich an das Ergebnis des zurückliegenden Bürgerentscheids weiter gebunden fühlen, obwohl sie es rechtlich nicht müsste.

Fläche dient keinen fehmarnschen Firmen – im Gegenteil

Bewahrt Fehmarn! hat außerdem anhand von Bonitätsauskünften und anderer Wirtschaftsdatenbanken exakt analysieren lassen, welchen Anteil die drei Unternehmen von Fehmarn unter allen Firmen aufweisen, die Baltic FS auf der eigenen Webseite listet. Das Ergebnis: Ob nun nach Mitarbeiterzahl oder Umsatz: Die Unternehmen vom Festland machen nach unserer Untersuchung einen Anteil von 99,9 Prozent, die fehmarnschen Firmen nur einen Anteil von 0,1 (!!!) Prozent aus. Wie groß wird wohl die Fläche des Gewerbegebiets sein, die dann tatsächlich von fehmarnschen Firmen genutzt werden darf? Wir sind weiter der Überzeugung: Sie werden als Feigenblatt missbraucht. Wir gehen sogar davon aus, dass auf der Fläche nicht ein einziges fehmarnsche Unternehmen Platz finden oder ihn überhaupt haben will. Denn: Wir haben mit vielen Firmen Fehmarns gesprochen. Keine hat angekündigt, das Areal zu brauchen. Wir gehen vielmehr weiter davon aus, dass das „temporäre Gewerbegebiet“ Fehmarns Firmen ihren wertvollen Standortvorteil rauben würde.

Bei Fragen oder Gesprächswünschen stehen wir gern zur Verfügung.
Die Initiative Bewahrt Fehmarn!
i.A. Dr. Angelika Wenner-Binding, Rainer Ackermann, Mirko Kaminski

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