Radio Sundfunk Abo-Bereich
Einloggen
Was haben die Fehmaraner davon?

Leserbrief eines Zugezogenen

Das Gelände, auf dem das JUFA-Hotel entstehen soll. Foto: Dennis Angenendt
Fehmarn. "Ich bin Zugezogener und fühle mich trotzdem als leidenschaftlicher Fehmaraner."

Ich bin Zugezogener und fühle mich trotzdem als leidenschaftlicher Fehmaraner.

Ich komme aus der freien Wirtschaft, die Leidenschaft zur Politik ist aus der gefühlten Hilflosigkeit geboren, die ich in Deutschland und aktuell auf Fehmarn fühle. Ich glaube fest daran, dass man auf Fehmarn noch etwas bewegen kann. Um die Schönheit dieser Insel zu erhalten, müssen wir heute die richtige Entscheidung treffen.

Ratlos hinterlässt mich der noch nicht einmal erfolgte Versuch, touristische Modellregion zu werden. Container hin an die ARAL, Tests verteilen und fertig. Wer wenn nicht wir hat damit Erfahrung! Das Debakel am Südstrand mit der riesigen holländischen Freifläche wartet immer noch auf eine Lösung durch unser Rathaus.

Unser Bürgermeister hat versprochen, das Beste beim Tunnelbau für uns rauszuholen. Jetzt teilt eine vierspurige Autobahn und eine Güterzugstrasse unsere Insel und wir haben noch nicht einmal einen Bahnhof für die Vogelfluglinie – dafür aber jetzt einen Park And Ride Parkplatz neben McDonalds statt eines DM bei EDEKA.

Schicker Yachthafen übrigens – dafür muss ich mir eine Geländewagen kaufen, um die Schlaglöcher der Inselstraßen zu umfahren! 

Wenn denn dann der neue Turm am Südstrand steht, bekommen Herr Weber und Herrn Behncke evtl. mal einen besseren Überblick über ihre Insel.

Für mich alles Zeichen einer kopflosen Stadt-Entwicklungsplanung.

Demokratie kann aber auch was bewegen. Heutiges Thema: JUFA. Meeschendorf ist kein kleines gallisches Dorf, es steht für jeden Ort auf der Insel, explizit für die Willkür bei der Entscheidungsfindung.

Ein Investor will dort eines der größten Hotels auf der Insel errichten. Zusammen mit der Politik haben sie die Kapazitäten trotz gegenteiliger Versprechen um 30 % aufgestockt. 
Die Parkplatzlösung ist nicht weniger als eine Farce, der öffentlich Parkraum wird fast um 50 % reduziert. 

Hunderte von zusätzlichen LKWs werden in der Hochsaison über die Insel brettern und unsere Straßen werden dann wohl auf eine 30er Zone reduziert.

Was hat Fehmarn davon?

Ich sehe das jetzt erst einmal als Unternehmer:

Man spricht von Steuereinnahmen? Gewerbesteuern müssen am Unternehmens-Hauptsitz gezahlt werden. Dieser ist NICHT auf Fehmarn – also keine Einnahme.

Parkplatzgebühren fallen immerhin beständig an? Ja, aber der Parkplatz ist ohnehin in der Hauptsaison ausgebucht – also keine Einnahme.

Einkommenssteuern: Wir wissen alle, dass das kein Ganzjahreshotel werden wird. Funktioniert weder vom IFA, Bellevue oder Bene. Warum sollen die Österreicher das besser hinbekommen?

Dementsprechend werden die Arbeitskräfte auch nicht von Fehmarn kommen, sich maximal als Zweitwohnsitz anmelden und hier nahezu keine Steuern entrichten. Oder maximal 20.000 €.

Hat der lokale Einzelhandel oder die Gastronomie auf Fehmarn etwas davon? Die Ausgaben dürften in einem Familienhotel mit Vollpension eher gering sein – also auch kaum etwas.

Was bleibt ist immerhin die Touristensteuer, die zum TSF geht, also nicht einmal direkt an die Stadt Fehmarn, zu uns. Davon kann dann ja noch ein Yacht-Anleger am Südstrand gebaut werden.

Was hat die JUFA davon?

Sie zahlt pro Quadratmeter Grundstücksfläche 36 Cent Pacht im Monat. Damit finanziert der Kreis Rothenburg Hersfeld dann Reisen in diese Anlage. Verstanden?

Des Weiteren erwartet die JUFA einen Umsatz von 6 Millionen EUR im Jahr. Nach 10 Jahren dürfte der Bau refinanziert sein, ab dann sprudeln nur noch Gewinne – nach Österreich zu einer Stiftung!

Übrigens beträgt die Miete für das gesamte Grundstück nach der Hälfte der vereinbarten Pachtdauer inflationär bereinigt 30.000 € / Jahr, am Ende der Laufzeit 15.000 €.

Keine Ahnung, wie Österreicher feiern – nach der Unterschrift dürfte es aber eine große Party gegeben haben.

Was haben wir davon als Fehmaraner – was haben ortsansässige Familien davon?

Ein Ganzjahreshotel, welches nach der ersten Wintersaison nicht wieder aufmachen wird. Von Belebung im Winter mit Restaurant und Cafe können wir dann nicht mehr sprechen. Der 10×10 m² Indoorspielplatz dürfte bereits mit den 50 hoteleigenen Kindern überfüllt sein, bringt wohl auch nichts.

Eine lange Bauphase mit allen negativen Begleiterscheinung. Ich sehe mit Grauen dem ersten Betonmischer entgegen, der beim Abbiegen einen Fahrradfahrer übersieht.

Mit 16 m Höhe wird dieses Hotel massiv die ansonsten flache Ortsbebauung durchschneiden. Und ob da in 10 Jahren wirklich noch ein Familienhotel drin ist, konnte bei der JUFA niemand versprechen.

Die Reduktion der Parkfläche hatten wir.

Als Arbeitskräfte werden wohl kaum Fehmaraner eingesetzt oder haben Sie schon mal probiert, eine Putzfrau im Juli für Ihre Ferienwohnung zu finden?

Was bleibt also?

Ja, wir haben immerhin keinen zweiten Südstrand mit brachliegendem Haus des Gastes. Wenn jedoch dieser Block die Lösung ist, dann hätte ich zumindest gerne wieder das Problem!

Diese Abstimmung ist für uns als Fehmaraner, ob einheimisch oder eingewandert, die letzte Möglichkeit zu widersprechen. Alle Anfragen, Vorschläge und konstruktiven Ansätze wurden durch die aktuelle Politik weggewischt, Lösungen wurden nicht präsentiert, Hauptsache haben!

Und machen wir uns mal nichts vor: Diese „ranzige Sahneschnitte“ wird neu gemacht werden, Interessenten und Investoren gab es genug – warum sollen wir als Fehmaraner jedoch unter der Gier und Planlosigkeit der Entscheidungsträger leiden?

Dafür kann der Kreis Rothenburg Hersfeld zu viel Geld damit verdienen

Gerne stelle ich mich als Vermittler zur Verfügung – für eine nachhaltige und schöne Bebauung, einen Kinderspielplatz, der den Namen verdient, ein schönes Strandkaffee. So wie geplant muss es nicht enden!

Stimmen Sie mit mir für JA! Für Fehmarn! Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen, dass die Politik nicht alles mit uns machen kann!

Frank M.

© 2020-2021 sundfunk.de