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Dr. Eckart von Hirschhausens Suche nach intelligenten Antworten in verrückten Zeiten

„Liebe dich selbst, dann können die Anderen dich gerne haben“

"Auf dieser Erde gibt es zu viele Rindviecher", bilanzierte Dr. Eckart von Hirschhausen während seiner Lesung. Atmosphärische Bilder für ein multimediales Erlebnis hatte er dabei. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF
In diesem Beitrag: "Ich komme gerade direkt vom Meer" 3 Krisen zum Preis von 2 "Wer von euch kackt in sein eigenes Wohnzimmer?" Kaffee, Sex und Schokolade - und Lübecker Marzipan Wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns "Du hast immer die Chance auf einen Neuanfang" Willkommen im Hier und Jetzt! Der nachhaltigste Schuh ist immer der, den man schon hat Der Wert eines Vogels "Auf dieser Erde gibt es zu viele Rindviecher" Wer als Pinguin geboren wird, wird nicht zur Giraffe "Irgendwann bist du nur noch Welle und Meer"
Fehmarn. Dr. Eckart von Hirschhausen gibt zu bedenken: "Die Erde ist der einzige Planet, den wir haben, mit Kaffee, Sex und Schokolade - und Lübecker Marzipan."

„Ich komme gerade direkt vom Meer, musste doch wenigstens einmal die Füße hineinhalten, wenn ich schon einmal auf Fehmarn bin.Wieviele von Ihnen waren heute schon am Meer?“, wandte er sich an das Publikum. Wenige Zuschauer*innen melderten sich: „Die Leute wissen gar nicht, wie schön sie es hier haben“, bilanzierte Dr. Eckart von Hirschhausen.

„Ich komme gerade direkt vom Meer“

Am gestrigen Mittwochabend (22. September 2021) stellte der Arzt, Autor und Entertainer auf Einladung der Stadt Fehmarn in Zusammenarbeit mit der Thomsen-Schumacher-Stiftung in der voll besetzten Mensa der Inselschule sein neuestes Werk vor: „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben. 3 Krisen zum Preis von 2!“ „Es ist wohl mein wichtigstes Buch“, meinte Dr. Eckart von Hirschhausen, der nicht nur sein neuestes Werk, sondern auch atmosphärische Bilder für ein multimediales Erlebnis, kleine Zaubertricks und schließlich noch einen Song im Gepäck hatte. Nachdenklich, aber immer mit einer mal zarten, mal deftigen Prise Humor.

3 Krisen zum Preis von 2

"Die Wissenschaftlerin Jane Goodall sagte zu mir, wir zerstören unser eigenes Zuhause", erzählte der Autor. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

„Wir sind zu Gast hier auf der Erde“, betonte er. Die Wissenschaftlerin Jane Goodall habe ihm das beigebracht: „Sie sagte zu mir, wir zerstören unser eigenes Zuhause.“ Sein neuestes Buch sei die Suche nach intelligenten Antworten in verrückten Zeiten und in Wahlkampfzeiten. „Jane hat mir auch beigebracht, wie Affen sich begrüßen: ganz körperlich. Und sie machen seltsame Geräusche. Was unterscheidet uns von ihnen? Affen machen sich keine Gedanken draüber, was andere über sie denken, normalerweise ist uns das nicht egal. Und sie denken nicht über die Zukunft nach. Sie verabschieden sich nicht voneinander. Wir sind die Einzigen, die in die Zukunft gucken können“, gab Dr. Eckart von Hirschhausen zu bedenken.

„Wer von euch kackt in sein eigenes Wohnzimmer?“

„Wer von euch kackt regelmäßig in sein eigenes Wohnzimmer?“, fragte er das Publikum, und fand zwar niemanden, der sich dazu bekannte, aber die passende Überleitung: „Warum tun wir das nicht? Weil wir sagen, unser Zuhause ist unsere Burg, da will ich keinen Scheiß. Die Erde ist unser aller Wohnzimmer. Sie ist der einzige Planet, den wir haben, mit Kaffee, Sex und Schokolade – und Lübecker Marzipan.“ 

Kaffee, Sex und Schokolade – und Lübecker Marzipan

"Die Erde ist unser aller Wohnzimmer. Sie ist der einzige Planet, den wir haben, mit Kaffee, Sex und Schokolade - und Lübecker Marzipan", gab Dr. Eckart von Hirschhausen zu bedenken. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

„Erst aus der Perspektive aus dem Weltall wird einem klar, wie wunderbar die Erde ist“, fuhr der Autor fort. „Aus dem Weltall betrachtet ist die Atmosphäre nicht unendlich, sondern hauchdünn, so dünn, wie die Haut eines Apfels – und sie ist der Unterschied zwischen Leben und Tod. Der Himmel ist nicht unendlich, die Atmosphäre auch nicht“, mahnte er. „Uns sollte der Anstieg des Meeresspiegels mehr interessieren, als der Anstieg von Spritpreisen.“

Wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns

Wissenschaftler, Humanmediziner und Tierärzte müssten seiner Meinung nach viel mehr miteinander zusammenarbeiten: „Wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns. Denn gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Man muss sich klar machen, dass das Leben endlich ist, und gelassener werden mit dem, was wirklich wichtig ist auf der Erde. Haben Sie zuhause Umbewohner oder Mitbewohner? Eine Umwelt gibt es nicht, wir sind Teil des Kreislaufs.“

„Du hast immer die Chance auf einen Neuanfang“

Jeder Mensch sollte verinnerlichen: „Du hast immer die Chance auf einen kompletten Neuanfang“, verdeutlichte Dr. Eckart von Hirschhausen. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Ein Hamster halte sein Hamsterrad ein Leben lang für eine Karriereleiter: „Und daher muss man nach Fehmarn, um zu sehen, das Meer war vor mir da, bleibt nachher da und Ebbe und Flut machen den Rest“, rief Dr. Eckart von Hirschhausen zur Entschleunigung auf: „Am Meer kann man das Meer in der Muschel auch ohne Muschel hören. Wenn wir akzeptieren, dass das Leben ein Kreis ist, ist es gar nicht so entscheidend, wo wir stehen. Manche halten sich in der Vergangenheit auf, manche in der Zukunft, die Glücklichsten sind gegenwartsorientiert.“ Jeder Mensch sollte verinnerlichen: „Du hast immer die Chance auf einen kompletten Neuanfang.“

Willkommen im Hier und Jetzt!

„Unsere Ideen über die Zeit entscheiden über unser Lebensgefühl. Der gegenwärtige Moment ist das größte Geschenk, das wir haben – und nicht umtauschbar. Wir können ihn nicht einfrieren, verlängern oder verkürzen. Carpe diem! Man muss nicht warten, bis man depressiv ist, willkommen im Hier und Jetzt!“

Der nachhaltigste Schuh ist immer der, den man schon hat

"Aus dem Weltall betrachtet ist die Atmosphäre nicht unendlich, sondern so dünn, wie die Haut eines Apfels" - zur Verdeutlichung hatte Dr. Eckart von Hirschhausen einige Gegenstände im Gepäck. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Nachhaltigkeit sei keine Erfindung der Gegenwart: „Mein Vater besitzt bis heute nur ein einziges Paar Turnschuhe, es wäre ihm im Leben nicht in den Sinn gekommen, ein zweites zu kaufen, solange die alten noch gehen. Heute gibt es recyclete Schuhe aus Plastikmüll von Stränden, aber der nachhaltigste Schuh ist immer der, den man schon hat. Mein Vater könnte sein Vintage Paar heute für 400 Euro versteigern, aber auch das käme für ihn nicht in Frage.“

Der Wert eines Vogels

Hilfreich, Zusammenhänge der Natur zu verstehen, sei Frederic Vesters mittlerweile antiquarisches Buch „Der Wert eines Vogels“. Der Wert des Vogels beginnt als Materialwert mit drei Pfennigen, rechnet man aber Funktionen wie schönen Gesang und buntes Gefieder hinzu, steigt der Wert Seite für Seite auf 1357,13 DM. „Eigentlich darf so etwas nicht gemacht,werden, aber betrachtet man Zusammenhänge, wird schnell klar: Auch die unscheinbarsten Geschöpfe haben einen unschätzbaren Wert. Ich finde, dieses Buch hätte eine Neuauflage verdient.“

„Auf dieser Erde gibt es zu viele Rindviecher“

Den Slogan „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, mit dem er aufgewachsen sei, sehe er heute etwas differenzierter, erklärte Dr. Eckart von Hirschhausen. „Auf dieser Erde gibt es zu viele Rindviecher. Das ist kein Scherz. Der Nutzen von Nutztieren wird überbewertet. Wir essen doppelt so viel Fleisch, wie wir brauchen. Weltweit steigt die Fleischproduktion an und nimmt Kollateralschäden in Kauf. Für jedes Kilo Fleisch, das wir im Supermarkt kaufen, sollte es an der Kasse zwanzig Liter Gülle im Eimer mit dazu geben, denn das Fleisch hat einen Preis, den wir nicht sehen.“ Außerdem solle man sich ins Gedächtnis rufen: „Es werden mehr Antibiotika an gesunde Tiere verfüttert als an kranke Menschen.“

Wer als Pinguin geboren wird, wird nicht zur Giraffe

"Sobald ich meine Stärken kenne, prüfe ich, ob die Umgebung dazu passt." / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

„Wer als Pinguin geboren wird, wird nicht zur Giraffe“, verdeutlichte Hirschhausen. Es sei wichtig, zu erkennen: „Was kannst du, was willst du, woran hast du Freude? Sobald ich meine Stärken kenne, prüfe ich, ob die Umgebung dazu passt. Man soll nicht fragen, wie bin ich hergekommen, sondern wie komme ich hier weg, um in mein Umfeld zu kommen“, motivierte er. „Ich selbst bin ein kreativer Chaot, mir liegen Routinen nicht. Heute nutze ich viel mehr meine Stärken, dadurch fallen die Schwächen viel weniger ins Gewicht. Es heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich sage: liebe dich selbst, dann können die Anderen dich gerne haben.“

„Irgendwann bist du nur noch Welle und Meer“

„Liebe ist die Summe aller unserer Beziehungen, vielleicht ist ihre höchste Aufgabe die Selbstaufgabe. Liebe säen und pflanzen, das ist es, was bleibt. Und wenn du dein bester Pinguin bist, dann reicht es, mit einem Flügelschlag eine Welle auszulösen, die es ohne dich nie gegeben hätte. Wenn wir gemeinsam Wellen schlagen und auf Wellen surfen, können wir etwas erreichen. Gib dein Bestes, gib dich ganz, irgendwann bist du nur noch Welle und Meer – und vielleicht ein bisschen mehr. Wir können nur schützen, was wir auch schätzen“, gab Dr. Eckart von Hirschhausen seinen Gästen mit auf den Weg, bevor er das Programm mit Louis Armstrongs Song „Wonderful World“ beschloss.

Dr. Eckart von Hirschhausen: "Gib dein Bestes, gib dich ganz, irgendwann bist du nur noch Welle und Meer - und vielleicht ein bisschen mehr." / ARCHIVFOTO: HILKE HAHN-WOLFF

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