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Polit-Prominenz im Gespräch mit der OHP: Robert Habeck (Die Grünen) und Christian Lindner (FDP)

Lindner und Habeck zu Lebensgefühl, Tourismus und Bürgerbegehren

Waren Mittwochnachmittag (28. Juli 2021) zu Gast auf der Insel Fehmarn: Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, und FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner (v.l.n.r.). / FOTOS: DENNIS ANGENENDT
In diesem Beitrag: Worauf legen Lindner und Habeck Wert am Urlaubsort? "Dort ist die Wildheit noch ein bisschen wilder" "Erfindergeist und Gestaltungsehrgeiz" Spezielle Fragen der Wirtschaftsförderung "Das Lebensgefühl auf Fehmarn wird verändert" Direkte und gelebte Demokratie "Das klingt ein bisschen zynisch" Beschleunigung von Genehmigungsverfahren Ein Mensch mit Leidenschaften „2040 müssen wir in allen Bereichen klimaneutral sein“
Fehmarn. Zu Gast auf Fehmarn: Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, und FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner im Exclusiv-Interview mit der OHP.

Am heutigen Mittwochnachmittag (28. Juli 2021) war gleich doppelte Polit-Prominenz im Rahmen ihrer jeweiligen Wahlkampftour zu Gast auf der Insel Fehmarn. Am Südstrand sprach FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner zu einem großen Publikum, bevor er im Exklusiv-Interview der OHP Rede und Antwort stand. Auch Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, war gerne zu einem Gespräch mit uns bereit, bevor er auf dem sehr gut besuchten Marktplatz redete.

Worauf legen Lindner und Habeck Wert am Urlaubsort?

Fehmarn ist eine touristisch gesprägte Region – worauf legen die beiden Spitzenpolitiker selbst Wert am Urlaubsort? Christian Lindner braucht Aktivitäten: „Je älter ich werde, desto aktiver bin ich. Ich habe viele private Leidenschaften: Wassersport, wandern, reiten, bin gerne in der Natur unterwegs.“ Den Namen der Sonneninsel Fehmarn sollte er sich allerdings richtig merken, stressbedingt (?) hatte sich dort mehrfach ein „R“ zuviel eingeschummelt.

„Dort ist die Wildheit noch ein bisschen wilder“

Robert Habeck: Wichtig sei es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, Ausdauer zu haben und abgewogene, rationale Entscheidungen zu treffen. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Robert Habeck schätzt „eine schöne Natur, einschließlich Meer oder Berge mit unberührten Gipfeln“, und mag lieber die Nord- als die Ostsee, „weil dort die Wildheit noch ein bisschen wilder ist.“ Welche drei Eigenschaften sollte ein Bundeskanzler / eine Bundeskanzlerin haben? Eine Frage, die der Bundesvorsitzende der Grünen in wenigen Worten beantwortet: Wichtig sei es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, Ausdauer zu haben und abgewogene, rationale Entscheidungen zu treffen.

„Erfindergeist und Gestaltungsehrgeiz“

Christian Lindner hebt als wichtigste Eigenschaft die Integrationskraft hervor: „Und zwar nicht nur in Bezug auf die eigene Partei oder die Koalitionsregierung, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt.“ Wichtig sei, „Verständnis auch gegenüber Menschen zu äußern, die einen anderen Lebensstil pflegen als man selbst. Eine Eigenschaft, die er Armin Laschet (CDU) zuschreibt. „Außerdem sollte man dafür sorgen, dass es auch genug Tempo und Fortschritt, Erfindergeist und Gestaltungsehrgeiz gibt, etwas zu verändern“, sieht Christian Lindner darin eine Aufgabe für die FDP.

Spezielle Fragen der Wirtschaftsförderung

Beim Bau der festen Beltquerung werde es „um kluges Baustellenmanagement und eventuell auch um spezielle Fragen der Wirtschaftsförderung gehen", meint Christian Lindner. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Beim Bau der festen Beltquerung werde es „um kluges Baustellenmanagement und eventuell auch um spezielle Fragen der Wirtschaftsförderung gehen, um die Betriebe während dieser Investitionsphase nicht mit möglichen Umsatzeinbußen allein zu lassen“, meint Christian Lindner.

„Das Lebensgefühl auf Fehmarn wird verändert“

Robert Habeck ist überzeugt: „Es war klar, dass es negative Auswirkungen geben würde. Die feste Beltquerung wird das Lebensgefühl auf Fehmarn verändern und natürlich auch Berufe negativ beeinflussen. Fährbetrieb, Tourismus, Naturschutz werden betroffen sein.“ Eine neue Idee, die Beltquerung verträglicher für den ländlichen Raum zu gestalten, habe er auch nicht, räumte der Grünen-Politiker ein. „Aber Kompensationsmaßnahmen sind ja beschlossen worden. Ich nehme an, Geldströme und Schutzmaßnahmen müssten ausreichen, um die Menschen zu schützen.“

Direkte und gelebte Demokratie

Robert Habeck ist sicher: "Die feste Beltquerung wird das Lebensgefühl auf Fehmarn verändern." / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Direkte und gelebte Demokratie findet vielleicht noch am ehesten in der Lokalpolitik statt. In den vergangen Jahren gab es viele Bürgerbegehren in Ostholstein gegen Entscheidungen der Lokalpolitik. Bremsen Bürgerbegehren regionale Entwicklungen und schrecken mögliche Investoren ab? Ist die Schwelle dafür zu niedrig angesetzt? „Bürgerbegeheren stehen natürlich nicht über allem, weil große Infrastrukturvorhaben nicht an lokalen Widerständen scheitern können auf Dauer“, findet Robert Habeck. „Sonst hätten wir keine Autobahnen, keine Stromtrassen, keine Eisenbahnlinien in Deutschland. Also können Bürgerbegehren, die lokalen Charakter haben, am Ende immer nur das ,Wie‘ verändern: Wie soll die Trasse laufen, wo soll die Stromleitung lang gehen“, erläutert er am Beispiel der festen Beltquerung.

„Das klingt ein bisschen zynisch“

„Man kann sicherlich sagen, dass durch den langen und zähen Widerstand und durch die vielen Eingaben der Umweltverbände die Trassenführung und die Hinterlandanbindung – das klingt ein bisschen zynisch, aber sagen wir mal: etwas besser, etwas umweltfreundlicher, etwas lärmschonender geplant wird. Aber zu verhindern sind solche Sachen in der Regel nicht. Umweltschutz verhindert in der Regel keine Infrastruktur, sonden lässt sie nur anders planen. Das ist dann ein relativer Fortschritt, aber auch keine Verhinderung“, so der Grünen-Politiker.

Beschleunigung von Genehmigungsverfahren

Christian Lindner ist „ein Mensch mit Leidenschaften, die man meistens mit Benzin betanken kann“. / FOTO: DENNIS ANGENENDT

Christian Lindner ist der Überzeugung: „Wir werden das in den nächsten Jahren in Deutschland neu besprechen und neu aushandeln müssen.“ Er finde Bürgerbeteiligung gut: „Wir leben in einem Rechtsstaat, haben so viele Beteiligungsmöglichkeiten und rechtliche Einspruchsmöglichkeiten, dass selbst dort, wo der gemeinsame Wille besteht, dass etwas passieren soll, nichts passiert oder zu lange nichts passiert. Und das werden wir neu klären müssen, unter der Überschrift ,Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren‘.“

Ein Mensch mit Leidenschaften

Christian Lindner hat einmal gesagt, er sei „ein Mensch mit Leidenschaften, die man meistens mit Benzin betanken kann“. Gleichzeitig will er sich für Nachhaltigkeit und den Klimaschutz einsetzen. Der FDP-Bundesvorsitzende sieht darin keinen Widerspruch: „Unser Vorschlag ist ein CO2-Deckel für unser Land. Das zur Verfügung stehende Budget müssen wir marktwirtschaftlich verteilen, dann können neue Technologien entstehen – wie die synthetischen  Kraftstoffe, die jetzt in Chile klimaneutral produziert werden, das eröffnet große Chancen.“

„2040 müssen wir in allen Bereichen klimaneutral sein“

„2040 müssen wir in allen Bereichen klimaneutral sein“, betont Robert Habeck. „Und wenn man aus dem Topf etwas herausnimmt, muss man an anderer Stelle etwas hineintun: in der Summe muss die CO2-Minderung stimmen. Wir haben verschiedene Möglichkeiten, vorzugehen, und genug Raum für Kompromisse, aber dass der Klimaschutz durchgesetzt werden muss, ist für uns kompromisslos.“ Das gelte auch bei Koalitionsverhandlungen, so der Bundesvorsitzende der Grünen. Die Kosten der Energiewende müsse der Staat tragen, „sonst wird das nichts mit dem Klimaschutz.“

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