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Vorsitzende Brigitte Kempe legt ihr Amt bei der Tafel Fehmarn nieder

„Man sieht das Elend, aber auch die große Dankbarkeit der Menschen“

Nach neun Jahren als erste Vorsitzende der Tafel Fehmarn setzt Brigitte Kempe sich jetzt zur Ruhe. Die Nachfolge ist bereits geregelt. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF
In diesem Beitrag: Die Nachfolge ist bereits geregelt 2011 ging's in den "Unruhestand" In ständiger Bereitschaft Mit einem kleinen Team wird die Stellung gehalten Dienstags ab 11.30 Uhr Es muss sich niemand schämen, zur Tafel zu gehen Eine große Spendenbereitschaft Eigentlich dürfte es in Deutschland keine Tafeln geben
Fehmarn. Brigitte Kempe legt ihr Amt als Vorsitzende der „Fehmarn Tafel“ nieder. Die Nachfolge ist bereits geregelt.

Brigitte Kempe kann voller Stolz auf die von ihr geleistete Arbeit zurückblicken: Viel hat sie bewegt in ihrer Tätigkeit als erste Vorsitzende der „Fehmarn Tafel“. So wurde in dieser Zeit der Kühlwagen für die Lebensmittel angeschafft und der Umzug in ein anderes Gebäude vorgenommen. Viele Spendengelder konnte sie einwerben, aber auch Sachspenden. Und durch ihr großes Engagement konnte die „Fehmarn Tafel“ auch auf die Unterstützung der hiesigen Geschäftswelt zählen. „So wie die Tafel heute ist, habe ich sie gemacht“, kann sie zufrieden – und auch ein wenig stolz – Bilanz ziehen.

Die Nachfolge ist bereits geregelt

Jetzt legt Brigitte Kempe ihr Amt als Vorsitzende der „Fehmarn Tafel“ nieder. Die 72-jährige will mehr Zeit mit ihrem Mann und ihren Enkelkindern verbringen, begründet sie ihre Entscheidung. Die Nachfolge ist bereits geregelt, verrät Brigitte Kempe: „Angelika Fleth wird das Amt übernehmen.“ 2005 wurde auf Initiative der damaligen Pastorin Barbara Häußler die Tafel auf Fehmarn eröffnet, damals befand diese sich noch in der Garage des Neuen Pastorats in der Burger Priesterstraße. Denn Träger ist die evangelische Gemeinde an Sankt Nikolai zu Burg auf Fehmarn.

2011 ging’s in den „Unruhestand“

Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand – zuletzt war Brigitte Kempe zwanzig Jahre in der Sozialarbeit bei der AWO Großenbrode tätig und zehn Jahre im ,Haus am Sund‘ ,Mädchen für alles‘ – nahm sie 2011 ihre Tätigkeit bei der „Fehmarn Tafel“ auf. Ein Zufall war es, der sie dort hinführte, eine Anfrage, ob aussortiertes Mobiliar gebraucht werde, führte zum Erstkontakt. Zunächst fungierte sie als Helferin, bevor sie im darauffolgenden Jahr den Vorsitz übernahm.

In ständiger Bereitschaft

Das Handy ist immer dabei: Für die Tafel Fehmarn muss Brigitte Kempe in Bereitschaft sein. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

In ihrem Amt muss Brigitte Kempe in ständiger Bereitschaft sein, das Handy hat sie daher immer dabei. Wenn ein Angebot hereinkommt, dass es beispielweise in Rendsburg einen Posten Pizzen gibt, muss sie sich gleich melden: „Dann bekommen wir wenige Tage später Bescheid, ob ich schnell genug war und wir was abgekriegt haben.“

Mit einem kleinen Team wird die Stellung gehalten

Waren es früher einmal 25 Personen, sind es jetzt zu Corona-Zeiten nur noch zwei Herren als Fahrer und vier Damen, die ehrenamtlich für die „Fehmarn Tafel“ tätig sind: „Wir haben trotzdem kein einziges Mal zu gehabt“, kann Brigitte Kempe stolz auf Pandemiezeiten zurückblicken. Wenn sich auch das Procedere geändert hat, denn entsprechende Auflagen müssen selbstverständlich eingehalten werden.

Dienstags ab 11.30 Uhr

Jeden Dienstag ab 11.30 Uhr bis gegen 14 Uhr öffnet die „Fehmarn Tafel“ ihre Türen. Im Gebäude am Neuen Friedhof in Burg auf Fehmarn, das einst als Leichenhalle diente, ist sie seit einigen Jahren untergebracht. Viel Not hat Brigitte Kempe während ihrer zehnjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit gesehen: „Traurig haben mich die alten Damen gemacht, die mit ihrer viel zu kleinen Rente nicht auskamen. Man sieht das Elend, aber auch die große Dankbarkeit der Menschen“, erinnert sie sich dennoch gerne an diese Zeit zurück.

Es muss sich niemand schämen, zur Tafel zu gehen

Brigitte Kempe betont: „Es muss sich niemand schämen, zur Tafel zu gehen, jeder Mensch kann schnell in eine finanzielle Notlage geraten.“ Viel habe sie zurück bekommen von den Kundinnen und Kunden: „Ich habe das Amt sehr gerne gemacht, es gibt einem ja auch etwas. Man bekommt viel zurück, wenn man Menschen Freude bereitet.“ So wie damals, als einer der Ärmsten zu Weihnachten mit einer großen Packung Schokolade für die Helferinnen vorbeikam, um einmal „Danke“ zu sagen.

Eine große Spendenbereitschaft

Und auch die große Spendenbereitschaft von Privatpersonen und Geschäftsleuten sei eine gute Erfahrung gewesen: „Viele Gastronomen haben für uns gekocht, und die Aktion ,Glüxxbringer‘ bescherte den Kindern unter Anderem tolle Weihnachtsgeschenke.“ Vierzig bis 45 Personen nutzen das Angebot der Tafel Fehmarn momentan regelmäßig. Daran hängen aber oft noch Familien – manchmal mit fünf bis sieben Kindern daheim. Es waren aber auch schon siebzig bis achtizig Personen, die anstanden. Jeder Mensch mit seinem eigenen Schicksal.

Eigentlich dürfte es in Deutschland keine Tafeln geben

„Ich habe viele Vorträge gehalten in Schulen, bei der CDU und der SPD“, erzählt Brigitte Kempe: „Es ist gut, dass es die Tafeln gibt, aber traurig, dass es sie überhaupt geben muss. Eigentlich dürfte es sie in Deutschland nicht geben. Aber sie werden ja gebraucht.“

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