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10. Delegiertenversammlung der Freiwilligen feuerwehren Fehmarns

„Wir brauchen Hilfe, um Hilfe zu leisten“

Der ehemalige stellvertretende Gemeindewehrführer und Ehrenwehrführer Heino Lafrenz, Sebastian Seidel, Leiter der Hauptwache, und sein Stellvertreter Holger Bade, Frank Wohlert vom Kreisfeuerwehrverband, stellvertretender Gemeindewehrführer Jan Hegerfeld, Gemeindewehrführer Torsten Steffen und Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (v.l.n.r.). / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF
Fehmarn. "Wir brauchen mehr Mitglieder, wenn wir unsere Wehren erhalten wollen", mahnte die Gemeindewehrführung auf der Delegiertenversammlung.

Zehn Freiwillige Feuerwehren gibt es auf der Insel Fehmarn: Bannesdorf, Bisdorf-Hinrichsdorf, Burg, Dänschendorf, Landkirchen, Meeschendorf, Puttgarden-Todendorf, Süderort, Vadersdorf-Gammendorf und Westfehmarn. Sie alle hatten am Freitagabend, dem 17. Juni 2022, ihre Delegierten zur großen Versammlung in die Burger Großsporthalle geschickt. Es galt der Schlüssel: Pro zehn Mitglieder ein/e Delegierte/r sowie die jeweiligen Wehrführer.

Beim Thema Feuerwehrhäuser drückt der Schuh

43 von 49 Delegierten konnte Gemeindewehrführer Torsten Steffen begrüßen. „Der Silobrand hätte anders ausgehen können“, hielt er zunächst Rückschau auf die letzte Woche: „Ich bin froh, dass das relativ glimpflich ausgegangen und bis auf leichte Verletzungen nichts passiert ist. Die Feuerwehr hat einen top Job gemacht.“ Auch Bürgermeister Jörg Weber, der Politik und Verwaltung galt sein Dank für schnelle und problemlose Unterstützung bezüglich der Ausstattung: „Wir stehen gut da.“ Lediglich beim Thema Feuerwehrhäuser „drückt der Schuh“.

Es geht nicht ohne Kameradschaft

Die Auswirkungen der Pandemie seien in den vergangenen zwei Jahren bewältigt worden, weil die Führungskräfte den Kopf nicht in den Sand gesteckt und die Mannschaft immer ihr Bestes gegeben habe. „Aber Feuerwehren ohne Übung, ohne Kameradschaft, ist nicht das Wahre, es geht nicht ohne.“

Die Tagesverfügbarkeit bereitet Probleme

„Zwar hat sich die  Mitgliederzahl leicht erhöht, aber insgesamt gibt es immer noch zu wenig Kamerad/innen“, sprach der Gemeindewehrführer ein großes Problem an: „Gerade die Tagesverfügbarkeit und die geringe Zahl an Atemschutzgeräteträger/innen fordern uns extrem. Dies müssen wir alle gemeinsam angehen“ sieht Torsten Steffen nicht nur die Feuerwehr, sondern auch Verwaltung und Politik hier in der Pflicht, Anreize zu schaffen.

Wohnraum fehlt – auch für Kamerad/innen

Nur 2,7 Prozent aller Bürger/innen Fehmarns seien aktive Mitglieder in der Feuerwehr, führte er aus. Manch gut ausgebildete Feuerwehrleute würden die Insel verlassen, weil Wohnraum fehlt. „Die Feuerwehren müssen sichtbarer werden. Wir müssen aktiver ansprechen, dass wir Hilfe brauchen, wir sind eine Pflichtaufgabe der Kommune“, rief er in Erinnerung. „Wir müssen deutlich machen, dass wir Hilfe brauchen, um Hilfe zu leisten.“

Gemeindewehrführer Torsten Steffen. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Keine Möglichkeiten, in der vorgeschrieben Zeit Hilfe zu leisten

Ein Dorn im Auge sei auch das Verkehrschaos in der Saison. „Wir haben keine Möglichkeiten, in der vorgeschrieben Zeit Hilfe zu leisten“, wurde der  Gemeindewehrführer deutlich. „Gerade in Burg bewegt sich gar nichts, so dass man schwer zum Feuerwehrhaus kommt, geschweige denn trotz Sonderrechten überhaupt an den Einsatzort. Die Verantwortung, wenn wir durch so einen Umstand zu spät kommen – und nicht mehr helfen können – gibt die Feuerwehr ab“, lautete sein eindringliches Statement.

2021 gab es 207 Einsätze auf Fehmarn

Umfangreich ist die Arbeit der Wehren: Die Statistik verzeichnet unter Anderem Feuer, Menschen in Not, Verkehrsunfälle, Türöffnungen und Tiereinsätze, Unwettereinsätze, die Beseitigung von Stoffen, vorbeugenden Brandschutz, Sicherheitswachen und vieles mehr – aber auch mehrere Fehlalarme. 2020 gab es insgesamt 192 Einsätze auf der Insel. Dabei konnten 28 Menschen gerettet oder versorgt werden, leider kam für acht Menschen jede Hilfe zu spät. Im Jahr 2021 waren es sogar 207 Einsätze, bei denen 29 Menschen gerettet oder versorgt wurden. Leider kam für vier Menschen jede Hilfe zu spät.

Lars Schäckermann bleibt Kinderfeuerwehrwart

Den Kassenbericht legte Lena Röhrke, Kassenwartin der Gemeindewehr, vor. Sowohl die Haushaltspläne 2022 und ’23, als auch die Verabschiedungen der Haushalte für 2020 und ’21 erfolgten einstimmig, dem Vorstand wurde ebenfalls einstimmig Entlastung erteilt. Zum stellvertretenden Kassenwart wurde in Abwesenheit einstimmig Mirco Timm von der Dänschendorfer Wehr gewählt. Von der Versammlung wurde Lars Schäckermann einstimmig beauftragt, weiterhin als Kinderfeuerwehrwart zu agieren. Die Mitgliederzahl in der Kinderfeuerwehr konnte konstant bei 25 gehalten werden, teilweise sogar mit Warteliste. Die Jugendwehr hatte Anfang 2020 78 Mitglieder, zum Jahresende waren es 85. Ende 2021 waren noch achtzig Jugendliche dabei.

Sandra Schmahl zur Hauptfeuerwehrfrau (3 Sterne) befördert

Zur Hauptfeuerwehrfrau (3 Sterne) wurde Sandra Schmahl befördert. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

In der aktiven Wehr gab es im Januar 2020 insgesamt 319 Aktive, davon 28 Frauen. Ende 2020 konnte die Mitgliederzahl auf 335 erhöht werden, davon 31 Frauen. Ende Dezember 2021 konnte die Mitgliederzahl erneut gesteigert werden, lag dann bei 314 Kameraden und 36 Kameradinnen, jeweils verteilt auf die zehn Ortswehren. Auf Grund ihrer Leistungen in der Freiwilligen Feuerwehr Westfehmarn und nach erfolgreicher Teilnahme an den vorgeschriebenen Lehrgängen wurde Sandra Schmahl für die Dauer ihrer Tätigkeit zur Hauptfeuerwehrfrau (3 Sterne) befördert.

Die hauptamtliche Wache soll in Landkirchen entstehen

Die hauptamtliche Wache soll in Landkirchen entstehen. Die Leitung wird bekanntlich zum 1. August 2022 Sebastian Seidel übernehmen, bereits im März stellte er sich der Stadtvertretung vor. Er freue sich darauf, Projekte voranzutreiben, und dankte für den herzlichen Empfang, den man ihm bereitet habe, so Seidel.

„Ich freue mich auf eine wirklich gute Zusammenarbeit“

Fand man im ersten Auswahlverfahren keinen Stellvertreter, reichte bei der zweiten Ausschreibung Seidels bisheriger Stellvertreter Holger Bade seine Bewerbung ein – und überzeugte. Beide kennen sich seit langem, haben bereits bei der Lübecker Berufsfeuerwehr gut zusammengearbeitet. Holger Bade, der seit 28 Jahren Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr ist, wird seinen Dienst auf Fehmarn zum 1. November 2022 antreten. „Wir verstehen uns gut, ich freue mich auf eine wirklich gute Zusammenarbeit“, zeigte sich Gemeindewehrführer Torsten Steffen erfreut.

Stellvertrender Leiter der Hauptwache, Holger Bade, und Leiter Sebastian Seidel (v.l.n.r.) / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit

Das vergangene Wochenende sei ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren Fehmarns und Ostholsteins, stelle Bürgermeister Jörg Weber in seinem Grußwort heraus: „Das ist aller Ehren wert. Es war eine tolle Zusammenarbeit – auch mit meinen Leuten von der Stadt. Ich bin begeistert und stolz“, sprach er Lob und Anerkennung aus. Die Hauptamtlichen seien jetzt „Teil der großen Feuerwehrfamilie Fehmarns“.

Die Politik hat für die Feuerwehr immer ein offenes Ohr

„Wir nehmen uns die Sachen aus dem Jahresbericht schon zu Herzen und versuchen, das Beste draus zu machen“, versicherte Fehmarns Bürgermeister. Bei der Neubeschaffung der Schutzkleidung galt es schnell zu handeln. „Ich weiß, dass ich da die Politik hinter mir stehen habe, die hat für die Feuerwehr immer ein offenes Ohr und ist immer bereit, das Portemonnaie zu öffnen.“ Die Haushalte seien diesbezüglich „gut gestrickt“, und auch die Gespräche mit der Wehrführung würden gut verlaufen, ergänzte er.

„Was Sie für die Stadt geleistet haben, ist schon großartig“

Jörg Weber dankte den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Fehmarns für die Einsätze, Teilnahme an Übungen und Weiterbildungen. Sein besonderer Dank galt auch dem ehemaligen stellvertretenden Wehrführer Heino Lafrenz, der ihm auch weiter  beratend zur Seite steht, gerade zum Thema Beltquerung: „Was Sie für die Stadt geleistet haben, ist schon großartig.“

Enger Austausch mit der Kreiswehrführung

Frank Wohlert, Beisitzer iim Vorstand des Kreisfeuerwehrverbands. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Im engen Austausch mit der Kreiswehrführung werde gerade bezüglich des Mammutprojekts Belttunnel eine hervorragende Zusammenarbeit geleistet, überbrachte Beisitzer Frank Wohlert die Grüße des Kreisfeuerwehrverbandes. In den zwei Jahren der Pandemie seien die Wehren von vielen Einschränkungen betroffen gewesen: „Wir waren oft auf uns alleine gestellt, um Entscheidungen auf kommunaler Ebene zu treffen, und hätten uns manchmal mehr Unterstützung durch das Land gewünscht. Ich hoffe, Eure Kameradschaft hat nicht zu sehr gelitten“, wandte er sich an Fehmarns Wehren.

Der Verkehrskollaps hat auch die Polizei sehr belastet

Der Verkehrskollaps am Himmelfahrtswochenende habe auch die Polizei sehr belastet, fand Polizeihauptkommissar Jörg Ehlert, stellvertretender Polizeistationsleiter auf Fehmarn, deutliche Worte: „Wir stellen natürlich auch Fragen. Die Infrastruktur Fehmarns ist auf diese Zahlen nicht zu lösen. Wir müssen das Beste draus machen.“

„Die Infrastruktur Fehmarns ist auf diese Zahlen nicht zu lösen“

Zwar sei die Geschwindigkeit auf der Sundbrücke in der Nacht zuvor auf Grund einer neuen Bodenschwelle auf dreißig Stundenkilometer heraufgesetzt worden, „aber ob das eine Staubildung in dieser Dimension verhindern kann, bleibt abzuwarten. Nächstes Wochenende werden über 2.000 Bulli-Fans in großen Gruppen anreisen, keiner kommt allein. Aber auch das werden wir hinkriegen“, zeigte sich Jörg Ehlert zuversichtlich. „Ich war immer sehr gerne auf den Versammlungen der Ortswehren“, blickte er zurück. Mit Ablauf des 31. Augusts 2022 wird der Polizeihauptkommissar in den Ruhestand gehen.

„Wir brauchen mehr Mitglieder“

Stellvertretender Gemeindewehrführer Jan Hegerfeld. / FOTO: HILKE HAHN-WOLFF

Stellvertretender Gemeindewehrführer Jan Hegerfeld plädierte eindringlich für die Werbung neuer Kamerad/innen: „Wir brauchen mehr Mitglieder, wenn wir unsere zehn Wehren erhalten wollen. Das ist uns sehr wichtig und nicht selbstverständlich. Die Verknüpfung von Haupt- und Ehrenamt muss angepackt werden und von allen Seiten  kommen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gelingen kann, aber es bedarf der Anstrengung eines jeden Einzelnen.“ Viele Unfälle habe es auf der Sundbrücke gegeben, erinnerte Jan  Hegerfeld. Auch der Abriss der Amalienhofer Brücke werde eine Herausforderung für die Wehren Fehmarns darstellen. Bei der Tunnelbaustelle könnten mit fortschreitendem Baustellenbetrieb auch größere Einsätze kommen: „Wir hoffen, dass nichts passiert.“

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