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Temporäre Ausweitung der Campingplätze auf Fehmarn in Coronazeiten?

„Wir müssen Solidarität mit den Touristen zeigen!“

Bauausschuss-Vorsitzender Andreas Herkommer, SPD (stehend), forderte Solidarität mit den Urlaubern: „Die Ostsee gehört nicht nur uns!“ / Foto: hhw
In diesem Beitrag: Erweiterung oder Nachverdichtung Formlose Anträge auf Duldung Unbürokratische und rasche Umsetzung Rückbau-Verpflichtung nach Corona Grundlage war die subjektive Wahrnehmung "2020 war die Infrastruktur völlig am bersten" „Der Versuch, das Chaos beherrschbar zu machen“ Es gibt schon Überlaufplätze für sechs Wochen „Die Ostsee gehört nicht nur uns!“ „Auf Kosten unserer Einwohner/innen“ Beschluss erging mit neun Ja-Stimmen
Fehmarn. Temporäre Ausweitung der Campingplätze auf Fehmarn in Coronazeiten - ja oder nein? Im Bauausschuss wurde kontrovers diskutiert.

„Die Campingplätze sollen sehr temporär die Möglichkeit haben, sich auszuweiten“, führte Vorsitzender Andreas Herkommer (SPD) auf jüngster Sitzung des Bauausschusses in die Thematik ein. Konkret bedeutet das, dass der Kreis Ostholstein fragt, ob auch auf Fehmarn eine temporäre Duldung der Errichtung und / oder Erweiterung von Campingplätzen für die Saison 2021 – und gegebenenfalls auch noch für die Saison 2022 – in Betracht kommt: „Mit Blick auf die Bedeutung des Tourismus für den Kreis Ostholstein und zur Vermeidung von Problemen mit ,wilden‘ Campern“, heißt es in der Begründung.

Erweiterung oder Nachverdichtung

Dabei kommt sowohl die Erweiterung eines bestehenden Campingplatzes auf unmittelbar angrenzenden Flächen in Betracht, als auch die Nutzung der von der Gemeinde benannten geeigneten weiteren Flächen. Ebenso wäre eine Nachverdichtung innerhalb des Campingplatzes auf den Flächen außerhalb der festgesetzten Standplätze möglich.

Formlose Anträge auf Duldung

Zum Procedere: Nach einem Vorgespräch mit der jeweiligen Gemeinde können, so beschreibt es der Kreis, formlose Anträge auf Duldung des Vorhabens mit den zur Beurteilung erforderlichen Unterlagen bei dieser gestellt werden. Die Gemeinde leitet den Antrag dann inklusive Stellungnahme und Erklärungen an die Untere Bauaufsichtsbehörde weiter. Diese wiederum prüft, ob eine Duldung in Betracht kommt und erlässt gegebenenfalls den Duldungsbescheid.

Unbürokratische und rasche Umsetzung

Eine unbürokratische und rasche Umsatzung des Erlasses will der Kreis Ostholstein gewährleisten, indem eine kreisintere Arbeitsgruppe Einzelfallentscheidungen trifft. Eine Rückbauverpflichtung wird festgeschrieben.

Rückbau-Verpflichtung nach Corona

Näheres gab Stadtplanerin Claudia Parge (Fachbereich Bauen und Häfen) bekannt. Seitens des Landes besteht die Möglichkeit, eine Ausweitung der Campingplätze zu genehmigen – mit Rückbau-Verpflichtung nach der Pandemie. „Der Kreis wünscht eine Beschlussfassung der Gemeinden, weil das Projekt nur temporär gelten soll. Möglich wären zwanzig Prozent pro Platz, bisher liegen zwei Anträge vor. Allerdings könnte jeder Campingplatzbetreiber diesen Antrag stellen.“

Grundlage war die subjektive Wahrnehmung

Gunnar Mehnert (WUW) erklärte sich vor der anschließenden Diskussion für befangen und verließ den Raum. Vertreten wurde er durch Stadtvertreter Kai Schumacher (WUW). Dieser fragte, ob die Stadt Fehmarn denn eine Erfordernis sehe, und wie der Bedarf ermittelt worden sei. Claudia Parge bezog sich auf die Erfahrungen des Vorjahres. Grundlage hierfür sei „die subjektive Wahrnehmung aus 2020.“

„2020 war die Infrastruktur völlig am bersten“

Hier hakte Marco Eberle (Grüne) ein: „Im letzten Jahr war die Infrastruktur völlig am bersten und die Strände waren überlaufen. Noch zwanzig Prozent mehr auf den Campingplätzen möchte ich den Einwohner/innen hier nicht zumuten.“ Werner Ehlers (CDU) warf die Frage auf, um wieviel tausend Plätze es sich dabei handeln würde.

„Der Versuch, das Chaos beherrschbar zu machen“

Anders sah es Lars Hviid: „Das ist der Versuch des Kreises, das Chaos beherrschbar zu  machen. Ja, es wird viel – aber es ist geregelt.“ Marco Eberle konnte das nicht nachvollziehen: „Zur Ausnahmesituation wird es sowieso wieder kommen“, prophezeite er. „Und dann kommen die zwanzig Prozent noch dazu…“.

Es gibt schon Überlaufplätze für sechs Wochen

„Es gibt schon Überlaufplätze für die Dauer von sechs Wochen“, erläuterte Claudia Parge. Kritisch sah Dirk Frohberg (FWV) diese Vorgehensweise: „Kontrolliert der Kreis das auch?“, wollte er wissen.

„Die Ostsee gehört nicht nur uns!“

Marianne Unger (SPD) forderte: „Wir müssen Solidarität mit den Touristen zeigen! Ein paar mehr Leuten Urlaub in Deutschland ermöglichen, das sollten wir tun! Wir können nicht sagen, wir machen die Schotten zu“, ereiferte sie sich. Allerdings plädierte sie dafür, die Obergrenze auf zehn Prozent festzulegen, um auch den Einheimischen gerecht zu werden. Dem schloss sich ihr Parteigenosse Andreas Herkommer an. Auch er forderte Solidarität mit den Urlaubern: „Die Ostsee gehört nicht nur uns!“, fand er deutliche Worte.

„Auf Kosten unserer Einwohner/innen“

Claudia Parge schlug vor, bis zum nächsten Bauausschuss einzeln über die Anträge abzustimmen: „Bislang sind es nur zwei.“ Benjamin May fasste zusammen: „Umfang und Gesamtzahl sollen geprüft werden, grundsätzlich steht die Politik dem Vorhaben positiv gegenüber.“ Kai Schumacher betonte: „Das ist kein Instrument gegen Wildcamper auf Fehmarn“ und kündigte an, dass die WUW sich enthalten werde. Deutliche Worte fand Marco Eberle: „Das geht auf Kosten unserer Einwohner/innen.“

Beschluss erging mit neun Ja-Stimmen

Der Beschluss, dass die Stadt Fehmarn den Erlass der Landesregierung zum Campingtourismus begrüßt und die Grenze für die temporäre Erweiterung der Campingflächen auf zehn Prozent festsetzt, erging mit neun Ja-Stimmen. Kai Schumacher (WUW) und Marco Eberle (Grüne) enthielten sich.

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