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Sonntag, Januar 24, 2021
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„Lichter überstrahlen die Krise“ – Teil 1: Ein „Knusperhäuschen“ wie aus einem Märchen

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Ein „Knusperhäuschen“ wie aus einem Märchen

Wenn die Temperaturen ganz nah an die Gefriergrenze wandern und die Tage am dunkelsten sind, sehnen sich viele Menschen nach Wärme und Licht. In der Vorweihnachtszeit werden daher, alle Jahre wieder, viele Grundstücke und Häuser auf die verschiedensten Arten dekoriert.

Wer in diesen Tagen auf Ostholsteins Straßen unterwegs ist, dem bietet sich ein facettenreiches Bild an Formen und Farben. Dabei fallen einem hin und wieder Häuser ins Auge, die wie eine Oase, auf die nach Helligkeit durstenden Menschen wirken.

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Für unsere Serienreihe ,,Lichter überstrahlen die Krise“ haben wir die Besitzer einiger solcher Häuser besucht und konnten spannende Hintergründe und Geschichten in Erfahrung bringen.

Ein Kunstwerk aus 30 Jahren Arbeit

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In Farve (Gemeinde Wangels), direkt an der B202 zwischen Oldenburg und Lütjenburg findet man eines dieser außergewöhnlichen Häuser. Hier lebt das Ehepaar Willi Japp und Peter Braasch seit über 30 Jahren. Bei dem Anblick, den das Haus in der Adventszeit bietet, ist es kaum zu glauben, dass auch diese beiden einmal ganz klein angefangen haben: „Das Ganze ging damals mit einer oder zwei Lichterketten los, nachdem wir den amerikanischen Weihnachtsschmuck in einer Fernsehsendung gesehen hatten und davon im Nachhinein ziemlich begeistert waren“, berichtet Willi Japp. Von Jahr zu Jahr habe man sich dann immer mehr Lichterketten und andere Dekorationsartikel für drinnen und draußen angeschafft.

Ungefähr 7000 Glühbirnen erhellen die Nacht

So sind im Laufe der Zeit ungefähr 7000 Glühbirnen zusammengekommen, welche nun seit dem 1. Advent das Grundstück der beiden wieder in ein Weihnachtswunderland verwandelt haben. Dadurch wolle man den Menschen in der Nachbarschaft, sowie vorbeifahrenden Autofahrern, eine Freude machen. Wie gut dies gelingt wird schon kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit deutlich, als immer wieder Autos die nahegelegenen Parkflächen nutzen, um einen Blick auf das Haus zu werfen oder Fotos zu schießen. Gerade in diesem Jahr, in dem viele Menschen unter den Folgen der Pandemie zu leiden hätten, sei es besonders wichtig ein positives Zeichen der Hoffnung zu setzen.

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Normalerweise werde die Weihnachtszeit jedes Jahr mit einem kleinen Fest eröffnet, bei dem das Haus zum ersten Mal in vollem Glanz erscheine. „Diese Tradition konnte in diesem Jahr leider nur im kleinsten Kreis stattfinden“, bedauert Japp.

Figuren am Haus in Handarbeit selbst gefertigt

Ganz beiläufig erwähnt der bescheidene Hausbesitzer, dass die beleuchteten Figuren, welche an der Außenwand des Hauses hängen, alle selbst von Hand angefertigt wurden. Dazu gehören unter anderem Glocken, Herzen, Rentiere und Sterne.

Dafür hatte Herr Japp Schablonen aus Kinderbüchern ausgeschnitten und diese mit einem Overhead Projektor an die Wand des Hauses geworfen. Die entstandenen Konturen wurden danach auf Spanplatten aufgemalt und ausgesägt. 

Zuletzt wurden an den entstandenen Figuren sehr feinmaschig Lichterketten befestigt. So haben die inzwischen 15 Figuren einen sichtbaren Anteil am Gesamtkunstwerk der Familie.

Aufwand nicht zu unterschätzen

Neben finanziellen Ausgaben für Strom, Neuanschaffungen und Reparaturen des bereits vorhandenen Bestands an Weihnachtsschmuck, sei auch der zeitliche Aufwand nicht zu unterschätzen.

So bräuchten die beiden ca. vier ganze Tage um den Außenbereich festlich zu schmücken. „Inzwischen weiß ich, wo die Haken hängen, dadurch geht es inzwischen etwas schneller“, sagt der 71-jährige Japp.

Doch er betont auch ganz deutlich, dass man in jedem Jahr für die Anstrengungen belohnt werde: „Für uns gehören diese Dekorationen und Lichter einfach dazu und machen diese Jahreszeit so heimelig.“

Das „Knusperhäuschen“, wie es sein Besitzer in Anspielung auf das Kindermärchen „Hänsel und Gretel“ liebevoll nennt, wird auch im Innenbereich weihnachtlich dekoriert. Hier haben es sich die beiden durch unzählige Weihnachtsfiguren und Leuchten gemütlich gemacht.

Traditionelle Dinge, wie Echtwachskerzen und Weihnachtspyramiden, haben dabei einen besonderen Stellenwert für Herrn Japp.

„Als Rentner hat man nun auch noch mehr Zeit, um die Dekorationen sorgfältig durchzuführen“, freut sich Japp, der auch noch Glöckner der evangelisch-lutherischen Kirche in Hohenstein ist.

Zeichen der Hoffnung

Während inzwischen für viele das Motto „Durchhalten“ gilt, hofft auch Willi Japp, dass man im kommenden Jahr schrittweise wieder zu etwas mehr Normalität gelange.

Wie die Zukunft aussehen wird, kann momentan niemand genau sagen. Aber durch Lichtermeere, wie dieses in Farve, entsteht bei vielen Menschen ein Gefühl der Hoffnung, dass Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Und wahrscheinlich ist der gesellschaftliche Nutzen dadurch in diesem Jahr noch größer, als in den vorherigen 30 Jahren. Man teilt Wärme, Licht und Freude mit größtenteils fremden Menschen. So ist die Familie Japp und Braasch ein Vorbild für Uneigennützigkeit und Nächstenliebe in einer Zeit, in der wir sie wahrscheinlich am meisten brauchen.

Und auch der Glaube an ein traditionelles Anleuchten im nächsten Jahr lebt in Farve weiter.

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