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Von der Terminvergabe bis zum Nadelstich: 89-Jähriger Ostholsteiner berichtet von seinen Erfahrungen

Albert M. beim Betreten des Eutiner Impfzentrums / Foto: crm/oh-presse.de
In diesem Beitrag: Impfbereitschaft stand sofort fest Ernüchterung nach ersten Terminvergabetagen Enkel bekommt den Termin Online Sorge über verringerte Impfstoff-Liefermengen Ablauf im Eutiner Impfzentrum Positive Bilanz
Oldenburg i.H.. Albert M. aus Heringsdorf ist erleichtert und dankbar. Am heutigen Freitagnachmittag (22.01.2021) hat der 89-Jährige im Eutiner Impfzentrum seine erste Corona Schutzimpfung erhalten. In einem Gespräch mit der OH-Presse berichtet er, wie er am 12.

Januar einen Termin vereinbaren konnte und wie der Impfablauf in Eutin heute aussah.

Impfbereitschaft stand sofort fest

Als gegen Ende des vergangenen Jahres bekannt wurde, dass ein Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden war, stand für Albert M. sofort fest, dass er sich impfen lassen wollte: „Aus meiner Sicht ist das der schnellste Weg zurück zur Normalität, da musste ich auch nicht lange überlegen. Ich habe Vertrauen in die Wissenschaft.“ 

Die nächsten Tage verfolge er daraufhin aufmerksam die Nachrichten, um zu erfahren, wie das Vergabesystem für die Termine aussehen werde. Dementsprechend groß sei seine Freude gewesen, als bekannt wurde, dass alle über 80-Jährigen sich ab dem 29.12.2020 zur Schutzimpfung anmelden könnten.

Ernüchterung nach ersten Terminvergabetagen

Seine Erzählungen gleichen denen vieler Schleswig-Holsteiner, welche in den vergangenen Wochen verzweifelt versucht hatten, einen Termin, über einen der möglichen Kontaktkanäle, für die Corona Impfung zu ergattern. Da Herr M. weder über einen Computer, noch über einen Internetzugang verfügt, bat er seinen Sohn und seine Schwiegertochter, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Als die Familie an den ersten beiden Vergabetagen keinen Termin vereinbaren konnte, war die Ernüchterung groß: „Gefühlt hatten wir keine Chance. Die Systeme waren für so einen großen Andrang nicht vorbereitet.“ Trotzdem ließ man sich vom Misserfolg nicht entmutigen und schmiedete Pläne, wie es in der nächsten Woche vielleicht besser klappen könnte.

Enkel bekommt den Termin Online

Am 12.01.2021 verfolgte die Familie eine ähnliche Taktik wie an den vorherigen Vergabetagen, mit dem kleinen Unterschied, dass diesmal auch ein Enkel mit unterstützte. „Bewaffnet“ mit insgesamt zwei Telefonen und zwei Computern habe man sich bereits ab 07:45 Uhr „warmgemacht“ und Probeanrufe getätigt. Doch wenige Minuten nach 08:00 Uhr stellte sich zunächst ein ähnliches Bild, wie in den vergangenen Wochen, dar. Beide Telefonnummern (116117 und 0800 455 6550) waren überlastet. Entweder flog man sofort aus der Leitung, oder man befand sich mit mehreren zehntausend Impfwilligen in einer Warteschlange. Die Angst vor der Bandansage, welche freundlich mitteilt, dass alle Termine bereits vergeben sind und man es nächste Woche erneut versuchen solle, war groß.  

Doch dann ging plötzlich alles ganz schnell. „Bitte wählen Sie einen Ort aus“, stand auf einmal auf dem Bildschirm des Enkels. Nach der Abfrage einiger persönlicher Daten und der Auswahl eines bestimmten Termins, folgte die große Erleichterung in Form einer E-Mail: „Hallo Herr M., gern bestätigen wir Ihre Anmeldung für nachstehende Termine“.

„Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich einmal über das Erhalten eines Impftermins so freuen würde. Das war wieder ein reines Glücksspiel. Und wahrscheinlich kommt es auch noch darauf an, wie schnell jemand tippen kann“, mutmaßt der Rentner.

Sorge über verringerte Impfstoff-Liefermengen

Dass die Landesregierung inzwischen auf diese Problematik reagiert hat, und das Vergabesystem für seine Altersklasse in Zukunft ändert, finde Herr M. grundsätzlich positiv. Er hoffe, dass nun auch vermehrt ältere Menschen ohne Unterstützung an Termine kommen würden: „Die jüngeren Leute können viel schneller mit dem Internet umgehen. Wir Alten haben da keine faire Chance. Das finde ich traurig für Menschen, die keine Unterstützung von Jüngeren haben.“ Allerdings bereite ihm die verringerte Menge der Impfstofflieferungen Sorge. Bereits in dieser Woche musste, die für Dienstag geplante, nächste Runde der Terminvergabe ausfallen. (OH-Presse berichtete) Er hoffe, dass in den nächsten Monaten noch weitere Impfstoffe anderer Hersteller die Anforderungen der STIKO erfüllen und dann in der EU zugelassen würden. „Hoffentlich kann dann im Laufe des Jahres jeder eine Impfung bekommen, der eine möchte.“

Ablauf im Eutiner Impfzentrum

Das Eutiner Impfzentrum. / Foto: crm/oh-presse.de

Mit der Bestätigungsemail hatte Herr M. bereits im Vorwege alle wichtigen Unterlagen erhalten, welche er für seinen Impftermin benötigte. Dazu gehörten neben Impftickets für beide Termine, ein Aufklärungsblatt, ein Informationsblatt sowie ein Anamnese-Bogen, welchen er pflichtbewusst schon Tage vor der Schutzimpfung ausgefüllt hatte.

Diese Unterlagen legte er heute (22.01.2021) zusammen mit seinem Personalausweis und dem Impfpass, um 14:50 Uhr, der Anmeldung des Eutiner Impfzentrums vor. Nachdem seine Daten aufgenommen und seine Körpertemperatur gemessen worden waren, ging es für ihn zunächst in einen Wartebereich. Von hier an habe der Aufenthalt dann fast einem typischen Arztbesuch geglichen. In einem Aufklärungsgespräch klärte der zuständige Arzt, welcher hinter einer Glasscheibe saß, ihn über mögliche Impfreaktionen auf und man begutachtete gemeinsam den ausgefüllten Anamnese-Bogen. Als keine Fragen mehr bestanden, bekam er seine lang ersehnte Impfung: „Den Piks habe ich kaum gemerkt“.

Anschließend verbrachte Herr M. noch weitere 15 Minuten im Wartebereich. In dieser Zeit wird abgewartet, ob Komplikationen auftreten.

Positive Bilanz

Insgesamt sei der fünffache Groß- und vierfache Urgroßvater sehr zufrieden mit seinem Aufenthalt im Impfzentrum: „Ich habe mich durchgängig gut aufgehoben gefühlt. Der ganze Ablauf war vom Erhalt aller Unterlagen im Vorwege, bis zum Verlassen des Impfgebäudes perfekt durchgeplant.“ So blicke er auch seinem zweiten Termin in drei Wochen positiv entgegen und hoffe, dass sich die Situation in den nächsten Monaten schnell verbessere. „Irgendwann muss es ja wieder bergauf gehen. Mit seiner Impfbereitschaft kann jeder einen kleinen Teil dazu beitragen.“ Vor allem freue er sich darauf, irgendwann seine Familienmitglieder wieder in den Arm nehmen zu können.

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