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Biosphärenreservat: Jäger dezimieren Nandu-Population

Wild lebende Nandus suchen auf einem Feld nach Futter. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Zarrentin (dpa). Seit die Jagd auf Nandus in Mecklenburg-Vorpommern erlaubt ist, werden immer weniger der in Südamerika heimischen Tiere in ihrem deutschen Verbreitungsgebiet am Ratzeburger See gesichtet.

Seit die Jagd auf Nandus in Mecklenburg-Vorpommern erlaubt ist, werden immer weniger der in Südamerika heimischen Tiere in ihrem deutschen Verbreitungsgebiet am Ratzeburger See gesichtet. Bei der Frühjahrszählung von Europas einziger wilder Nandu-Population entdeckten die Helfer jetzt 157 der flugunfähigen Großvögel an der Grenze zu Schleswig-Holstein, wie das zuständige Biosphärenreservat Schaalsee am Dienstag mitteilte.

Bei der Zählung im März vor einem Jahr waren noch 247 Nandus gesichtet worden, noch ein Jahr zuvor 362. Bei der letzten Herbstzählung im November 2020 waren es 291. «Es ist davon auszugehen, dass der deutliche Rückgang der gezählten Tiere insbesondere auch auf die nun zulässige Bejagung des Nandus zurückzuführen ist», erklärte Ulrike Müller vom Biosphärenreservat.

Seit April vorigen Jahres dürfen Nandu-Küken und Jährlinge ganzjährig sowie erwachsene Hähne und Hennen vom 1. November bis 31. März geschossen werden. Landwirte hatten zuvor beklagt, dass die jahrelang unkontrolliert gewachsene Population erhebliche Schäden auf ihren Feldern anrichte. Daraufhin waren 2019 erstmals 20 ausgewachsene Hähne zum Abschuss freigegeben worden.

Die Nandus vom Schaalsee stammen alle von einer Handvoll Tiere ab, die um die Jahrtausendwende aus einer Privathaltung bei Lübeck entlaufen waren. Die Population gedieh prächtig. Natürliche Feinde haben ausgewachsene Tiere von Rhea americana in der norddeutschen Tiefebene nicht. Nahrung finden sie auf den Feldern reichlich, vor allem jungen Raps lieben sie.

Seit Jagd auf Nandus gemacht wird, seien sie viel scheuer geworden, berichtete Müller. «Damit ist das Nandu-Monitoring deutlich erschwert, und dies kann ein weiterer Grund für den Rückgang der gezählten Tiere im Vergleich zu den Zählungen der Vorjahre sein.»

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